Von Carola Eckert

Mailand, im Juli

Die Demokratie kann nur durch den Genus leben. Ihre wahre Seele ist die Individualitat. Die Worte Frank Lloyd Wrights im Herzen, verläßt man den Palazzo dell’Arte. In Mailand, der vitalen, "zweiten" Hauptstadt Italiens, der modernsten Großstadt Europas mit ihren kühnen Architektur-Experimenten, wurde die 12. Triennale eröffnet. Ihr Hauptthema heißt "Haus und Schule".

Sekundenlang hat man den Geruch der Schulbänke, auf denen man selbst saß, in der Nase. Damals garantierte der Unterschied zwischen Haus, Schulweg und Schule, der Unterschied in Atmosphäre, Material, Gerüchen täglich neue Abenteuer. Ist das vorbei? Kein Zweifel, alles, was die Triennale zeigt, beweist eindeutig zivilisatorischen Fortschritt in Wohnkultur, Kindererziehung und Städteplanung, aber da wird auch eine Uniformität offenbar, die beunruhigt. Wie die aufgestellten Schulmodelle Norwegens, Japans, Finnlands oder Mexikos, so sind auch die Wohnräume zum Verwechseln ähnlich geworden, ebenso Kinderzimmer und Schulraum. Es fehlen die feinen, erregenden Wesensverschiedenheiten. Das scheint alles so gut voneinander gelernt, abgeguckt. Gott sei Dank, sagt man sich, daß das alles nur Anregung sein soll, daß, hoffentlich, die Großen und Kleinen aller Länder diese vorexerzierte Modernität mit ihrem eigenen Atem, ihrem eigenen Geschmack zu modulieren verstehen werden.

Nach der Triennale 1957 erkannte das Centro Studi delle Triennale, daß jetzt, um der Gefahr zu entgehen, alle drei Jahre eine nur noch vergleichende Schau von Errungenschaften zu bieten, neue Wege eingeschlagen werden müßten. In der klaren Feststellung, daß Architektur Bestandteil sowohl kultureller wie sozialer Bestrebungen ist, lag bereits das Thema der 12. Triennale vorgezeichnet: "Haus und Schule". Es stellte sich – im "Jahrhundert des Kindes" – die Aufgabe beinahe von selbst: den Lebenskreis des Kindes – Haus, Straße, Schule – so harmonisch wie nur irgend möglich aufeinander abzustimmen. Daraus ergaben sich die drei Unterthemen: Stadt, Stadtrand, Dorf.

Für die Italiener war es am wenigsten schwer, den Aufgabenkreis zu erfüllen, nicht nur, weil sie so viele gute Architekten haben, ihnen steht auch der ganze erste Stock des Palazzo dell’Arte zur Verfügung, und sie hatten nicht mit Transport- und Zollschwierigkeiten zu kämpfen wie die sechzehn ausstellenden Gastländer. So ist es nur natürlich, daß die italienische Schau die maß-

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