Von Jacques Stohler

"Keine Aufwertung, aber auch keine Preiserhöhungen" – das ist die Maxime, die von der Deutschen Bank in der jüngsten Ausgabe ihrer "Wirtschaftlichen Mitteilungen" zur Richtlinie der deutschen Währungspolitik erhoben wird. Die Formel kennzeichnet treffend das Mosaik der Wünsche wichtiger Interessentengruppen in der Bundesrepublik: den Wunsch der Verbraucher und politischen Parteien, die um nichts in der Welt Preissteigerungen in Kauf zu nehmen bereit sind, und den Wunsch der Exportindustrie, die sich verständlicherweise nicht für eine Umsatzdrosselung durch Aufwertung erwärmen kann.

Immerhin nimmt auch, die Deutsche Bank an, daß sich, wenn weder die Preise noch der Wechselkurs geändert werden dürfen, dann eben irgend etwas anderes ändern muß, da die "regulären" Überschüsse der deutschen Leistungsbilanz gegenüber dem Ausland sonst nicht verschwinden werden und dadurch die Preise am Ende eben doch steigen müssen. Ändern muß sich nach der herrschenden Doktrin, die von Bundesbank Presse und Bundeswirtschaftsminister akzeptiert zu werden scheint, der Umfang des deutschen Kapitalexports.

Die Liquidität, die sich infolge der Devisenüberschüsse in Westdeutschland ansammelt, soll also, schlicht formuliert, wieder ins Ausland abgeschoben werden – vornehmlich dorthin, wo sie fehlt. Zwar erwähnt der Aufsatz der Deutschen Bank noch eine weitere Datenänderung, die grundsätzlich geeignet wäre, Devisenüberschüsse mindestens zu vermindern, nämlich eine noch weiter als bisher gehende Öffnung des deutschen Marktes für konkurrenzfähige Waren des Auslands.

Was die Öffnung des Marktes für industrielle Produkte anbetrifft, so kann jedoch in der Bundesrepublik nicht mehr sehr viel getan werden; es scheint auf den ersten Blick jedenfalls fraglich, ob die Aufhebung der wenigen noch bestehenden Barrieren die Einfuhr genügend ansteigen lassen würde. Anders verhält es sich mit der landwirtschaftlichen Einfuhr. Aber gerade hinsichtlich des Agrarprotektionismus sind Zweifel, "ob in der modernen Industriegesellschaft die parlamentarische Regierungsform auch angesichts stark belastender Aufgaben hinreichend durchgreifendes Handeln erlaubt" – wie Prof. Erhard formuliert hat – sehr berechtigt. Vor den Wahlen gilt das ganz besonders, und Wahlen stehen eigentlich immer bevor ...

Wenn außerdem auch für die Zukunft der Verzieht auf eine künstliche Exportförderung gefordert wird, so ändert auch das nichts an einem bereits bestehenden Zustand. Falls nicht aufgewertet werden soll, so steht und fällt also die Chance stabiler Preise mit dem Erfolg einer systematischen Politik des Kapitalexports.

Bekanntlich findet ein solcher bereits seit längerem statt. Die über die Jahre anhaltende Zunahme der Währungsreserven zeigt jedoch, daß der Umfang der Kapitalausfuhr noch absolut ungenügend ist. Aufgabe der Währungspolitik ist es daher, diesen Umfang zu erweitern.