Wir sind stolz darauf, daß wir Ihnen in diesem Jahr die Ausschüttung einer Dividende von 12 vH vorschlagen können", erklärte der Vorstandsvorsitzer der Mannesmann AG, Düsseldorf, Bergassessor Dr. Hermann Winckhaus, in der außerordentlich gut besuchten Hauptversammlung des Unternehmens. Er erinnerte die über 2000 Aktionäre, die in die Düsseldorfer Rheinhalle gekommen waren, gleichzeitig daran, daß bei der Beurteilung der Dividende auch das seinerzeit gewählte Umstellungsverhältnis von 1 : 2 zu berücksichtigen sei. Mannesmann habe damit von Anfang an ein verhältnismäßig hohes Nominalkapital mit Dividende zu bedienen gehabt. Vergleiche man bei den westdeutschen Montanunternehmen die Dividende und Bezugsrechte, die auf eine alte Reichsmarkaktie seit 1952 entfallen, so ergebe sich, daß Mannesmann eindeutig in der Spitzengruppe liegt. Infolgedessen sei auch hier, so betonte Winckhaus, kein Raum für die Ausgabe von Berichtigungsaktien. "Das haben die Umstellungen im Verhältnis 1 : 2 und die praktisch zu pari erfolgten Kapitalerhöhungen längst vorweggenommen."

Diesen Ausführungen haben sich die Aktionäre offenbar voll und ganz angeschlossen; denn die wenigen Sprecher, die sich überhaupt zur Diskussion gemeldet hatten, waren ohne Einschränkung bereit, der Verwaltung für ihre im letzten Geschäftsjahr und in den letzten Jahren davor geleistete Arbeit Beifall zu spenden. Generaldirektor Winckhaus konnte berichten, daß die Mannesmann AG nach einer neuen Untersuchung heute 90 000 Aktionären gehört. Davon entfallen etwa l0 vH auf Belegschaftsmitglieder. Die steigende Zahl von Aktionären, die sich auch in einem immer größer werdenden Besucherstrom zur Hauptversammlung niederschlägt – in diesem Jahr mußte Mannesmann erstmalig in den größten Versammlungsraum der Stadt Düsseldorf ausweichen –, wird von der Verwaltung des Unternehmens und von den Aktionären selbst sicherlich nicht zu Unrecht als Indiz dafür gewertet, daß die Mannesmann-Aktie ein gesuchtes und beliebtes Anlagepapier ist.

Die Aussprache zwischen Verwaltung und Anteilseignern war in diesem Jahr außergewöhnlich friedlich und – außergewöhnlich kurz. Die wenigen Fragen, die der ausführliche Geschäftsbericht offengelassen hatte, wurden seitens der Verwaltung prompt und zur Zufriedenheit der fragenden Aktionäre beantwortet. Im Mittelpunkt standen hierbei Ergänzungen zu der Entwicklung bei den Auslandstöchtern der Mannesmann AG. Vorstandsvorsitzer Winckhaus hatte bereits in seinem einleitenden Referat die derzeitige Geschäftslage bei den einzelnen Tochtergesellschaften eingehend behandelt. Danach befinden sich die Werke in Brasilien und in der Türkei in weiterem Ausbau und laufen mit voller Beschäftigung und guten Ergebnissen. Lediglich die kanadische Röhrentochter des Konzerns ist von der ungünstigen Entwicklung der kanadischen Erdölindustrie in Mitleidenschaft gezogen. Die Bohrleistungen der dortigen Ölgesellschaften sanken von 4,7 auf 3,8 Mill. m, so daß der Verbrauch an Ölf eldrohren in Kanada von 162 000 t im Jahr 1956 auf 82 000 t im vergangenen Jahr zurückging. Die Mannesmanntochter sah sich infolgedessen gezwungen, die Produktion stark einzuschränken. Trotzdem habe das Unternehmen, wie Winckhaus erklärte, bei einer Kapazitätsauslastung von knapp 35 vH im ersten Halbjahr dieses Jahres ohne Verlust gearbeitet. Ergänzend hierzu betonte der Vorsitzer des Aufsichtsrates Dr. h. c. Wilhelm Zangen, daß generell mit finanziellen Rückflüssen an die Muttergesellschaft nicht gerechnet werden könne und auch in der Konzernspitze nicht gerechnet worden sei. Die Auslandsinvestitionen brauchten Zeit, aber die Rentabilität könne schon heute bei allen Tochterunternehmen als gut bezeichnet werden.

Die Mannesmann Verwaltung versprach ihren Aktionären, sie wolle zu gegebener Zeit dafür sorgen, daß sie sich an dem Kapital der Auslandsgesellschaften direkt beteiligen können. Aber diese Möglichkeit könne erst ins Auge gefaßt werden, wenn eine unbedingt zuverlässige Dividendenaussicht bei den Beteiligungsgesellschaften bestehe.

Von besonderem Interesse war es für die Aktionäre, von der Verwaltung zu hören, daß für Mannesmann der Kohlenbergbau "kein Klotz am Bein" ist. Der Konzern sehe der Entwicklung im Bergbau sogar mit Ruhe entgegen. Einerseits werde das Gesamtergebnis bei Mannesmann durch den Kohlenbergbau nicht entscheidend beeinflußt – nur etwa 11,8 vH des Konzernumsatzes entfällt auf die Zechen –, andererseits ist aber auch die Ertragslage der Essener Steinkohle befriedigend. Für das Jahr 1960 verspricht sich die Verwaltung für den Gesamtkonzern auf Grund der bisher vorliegenden Zahlen wiederum in gutes Ergebnis. N.