Die Keule praktisch wirksame Abart ist sogenannten Autonomie der Universität (kann) nicht mehr das leitende Prinzip sein: nämlich die Autonomie des bald anarchischen, bald durch persönliche Kultur – je nachdem – gemildert absolutistischen Lehrstuhlindividualismus. Das Prinzip, das an die Stelle treten muß, ist nichts Neues, geschweige etwas "Amerikanisches"; es ist das Prinzip der Gelehrtenrepublik: es war einmal, mit Schleiermacher zu reden, das Grundprinzip der "Universität im deutschen Sinne". –

Professor Dr. Eduard Baumgarten

Alles um und ohne Picasso

Die größte Picasso-Ausstellung ist bis Ende September in der Londoner Tate Gallery zu sehen. Sie umfaßt über zweihundertundfünfzig Bilder, angefangen von einem Mädchenbildnis, das der Künstler als Vierzehnjähriger malte, bis zu jüngsten Werken. Die Versicherungssumme ist die höchste, die je für eine Bildersammlung bezahlt wurde; man erwartet zweihundertundfünfzig Millionen Besucher. Alles, was Rang und Namen hat, fand sich ein: der Herzog von Edinburgh, Baron Rothschild, Yehudi Menuhin, Prinzessin Margarita von Jugoslawien, Ida Chagall – nur einer fehlte, Picasso, der es vorgezogen hatte, zu Hause zu bleiben und zu malen.

Umstrittene kretische Kultur

Als in den Jahren 1900 bis 1905 die kretische Stadt Knossos ausgegraben wurde, erklärte sie der die Ausgrabungen leitende Archäologe Sir Arthur Evans (1851–1941) für "das älteste Zentrum des zivilisierten Lebens in Griechenland und damit auf unserem ganzen Kontinent". Evans Wort galt als sakrosankt – bis vor kurzem der Oxforder Professor L. R. Palmer im Londoner Observer nach siebenjährigen ausführlichen Studien zu dem Schluß kam, daß viele von Evans’ Schlußfolgerungen in Fragen der Datierung falsch seien und unser Bild der alten Welt revidiert werden müsse. Den Vorwurf, Evans habe aus lauter Begeisterung für Kreta den Befund bewußt verfälscht, nahm Palmer inzwischen zurück.

Taktgefühl

In der Volksrepublik Ungarn hat die Regierung beschlossen, das kirchliche Begräbnis abzuschaffen. Damit es jedoch bei traurigen Begebenheiten weiterhin feierlich zugeht, sollen pensionierte Künstler mit Takt und in wohlgesetzten Worten die Totenrede halten.