Per Bahn nach Polen – Haben Sie Schrifttum? – Heimkehr via Kopenhagen

Von Eka v. Merveldt

In Kopenhagen zur Zwischenlandung eingetroffen, wo in der neuen luxuriösen Flughafenhalle vieles feilgeboten wird, was gut schmeckt (dänischer Käse), gut riecht (französisches Parfüm) und was schmückt (Schweizer Uhren) – in Kopenhagen denke ich zurück an meinen Aufenthalt in Polen, im armen östlichen Land. Vor zwei Stunden erst habe ich auf dem bescheidenen Warschauer Flugplatz Abschied genommen von neu gewonnenen Freunden, die mit mir gemeinsam warteten auf das Signal: Einsteigen zum Flug nach Kopenhagen! Die direkte Verbindung zwischen Polen und der Bundesrepublik ist trotz der Bemühungen westlicher Luftverkehrsgesellschaf ten, eine solche Route einzurichten, von der Warschauer Regierung bis heute verhindert worden. "Infolge mangelnder Zugeständnisse des Bundesverkehrsministeriums für die polnische Fluggesellschaft LOT", wie es in Warschau heißt.

Als ich mich tags zuvor von jener kommunistischen Funktionärin verabschiedete, die mir in Warschau sehr versiert und unermüdlich behilflich gewesen war, die überall aufgerichteten bürokratischen Barrieren und Klippen zu überwinden, verblüffte sie mich durch einen Ausspruch, der mir sehr polnisch schien: "Ich habe nur zwei ganz kleine Wünsche", sagte sie, und ich horchte auf, in der Hoffnung, ihr durch eine Gefälligkeit meinen Dank abstatten zu können, "ich hätte gern zwei ganz kleine Bücher: einen Paß und ein Scheckbuch!"

An Schlafen nicht zu denken

Ich hatte für die Rückreise nach Hamburg das Flugzeug gewählt, weil ich mich nicht noch einmal den Unannehmlichkeiten der Bahnkontrollen aussetzen wollte, wie ich sie auf der Fahrt nach Warschau als Transitpassagier durch die deutsche Sowjetzone kennengelernt hatte. Die polnischen Freunde, die mich zum Warschauer Flugplatz brachten, verwunderte dies, und ich mußte erzählen ...

Schlafwagen bezahlt man schließlich, weil man schlafen will! Doch daran war damals, auf der Fahrt bis zur polnischen Grenze, nicht zu denken. Nachdem schon eine ganze Anzahl von Kontrolleuren die Türen zu den Schlafabteilen aufgerissen hatten, erschien ein pockennarbiger Zöllner mit seinem Assistenten. Sie erscheinen ja immer zu zweit. Mehr als eine halbe Stunde lang hatten sie das Nachbarabteil, das von zwei polnischen Musikern belegt war, so gründlich durchforscht, daß schließlich auch der Korridor vor der Tür mit allerlei Gegenständen, persönlichen Habseligkeiten und nichtigen Reiseandenken belegt war. Dann war ich an der Reihe. Ich mußte mein Geld, das ich in Mark- und Dollarscheinen sowie Reiseschecks bei mir hatte, einzeln aufblättern, Schein für Schein. Auf meinen zaghaften Einwand, man könnte mir doch ruhig glauben, daß ich mich hüten werde, an dieser Grenze Angaben zu machen, die nicht vollauf korrekt seien, sagte der Pockennarbige höflich zwar, aber hart: "Glauben ist gut, aber Kontrolle ist auch gut."