Die F. Reinheit AG Hamburg eine pharmazeutische Großhandelsgesellschaft, zählt zu den ausschüttungsfreudigsten Unternehmen der Bundesrepublik. 1958 kamen die Aktionäre in den Genuß von 62 vH (12 vH Dividende und 50 vH Sonderausschüttung), für 1959 werden 15 vH Dividende verteilt, außerdem wird wieder ein Bonus von 22 vH ausgeschüttet, und zwar in der Weise, daß die Aktionäre das Wahlrecht haben, den auf sie entfallenden Betrag in bar zu erheben oder aber im Verhältnis von 4,5 : 1 neue Aktien ohne Einzahlung zu beziehen.

Die Gesellschaft kassiert also den Bonus wieder ein. Der Vorteil für sie liegt auf der Hand. Sie macht von dem ermäßigten Körperschaftsteuergesetz für ausgeschüttete Gewinne von 15 vH Gebrauch und überläßt es den Aktionären, die jeweils anfallenden Beträge steuerlich zu verdauen. Der andere Weg wäre der, den Bonus in Rücklagen zu verwandeln (worauf die Gesellschaft 51 vH Steuern zu zahlen hätte) und diese dann als Berichtigungsaktien auszugeben. Berichtigungsaktien sind für die Aktionäre steuerfrei.

Warum kann die F. Reichelt ihre Aktionäre so gut behandeln? Einmal verdient sie gut, und zum anderen hat sie als Handelsgesellschaft geringe Abschreibungsmöglichkeiten. Produktionsgesellschaft will sie nicht werden, jedenfalls nicht mehr als bisher. Die steigenden Umsätze erfordern zusätzliches Kapital. Deshalb eine echte Kapitalerhöhung um 0,2 Mill. DM zum Ausgabekurs von 200 vH (Verhältnis 9 : 1). Die Zukunft sieht für die Reichelt-Aktionäre rosig aus. Der Umsatz hat in den ersten sechs Monaten des neuen Jahres zugenommen. Spekulationen auf die Ausschüttungen für 1960 sind aber schwierig, weil man nicht weiß, was die Gesellschaft für das Jubiläumsgeschäftsjahr 1961 plant. In Aktionärskreisen hält man eine Überraschung für möglich ... K.W.