GBAG beteiligt sich am Bau neuer Raffinerien

In der Hauptversammlung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen, stellte der Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ~~~~~~~ ~~~~ Publikumsgesellschaft für 1960 eins "gute Dividende in Aussicht". Diese Worte wurden unterstrichen von einer eindrucksvollen Strukturana- lyse des Gesamtunternehmens, die in aller Deutlichkeit betont, daß das Wohl und Wehe dieser immer noch größten deutschen Zechengesellschaft keineswegs ausschließlich von der Kohle abhängt. Als ein "breit fundiertes energiewirtschaftliches Unternehmen mit gewichtigem und stark wachsendem Mineralölbereich" bezeichnete Vorstandsvorsitzer Dütting die heutige GBAG, die im Jahre 1959 über 12 vH des deutschen Energieverbrauchs geliefert hat. Nach den in der Hauptversammlung gemachten Angaben war die GBAG im vergangenen Jahre an der Energieerzeugung der Bundesrepublik: bei der Steinkohle mit 14 vH, beim Koks mit 12 vH, beim Gas mit 12 vH, beim Strom mit 3 vH, an der Benzinerzeugung mit 21 vH, beim Dieselöl mit 20 vH und beim Heizöl mit 12 vH beteiligt.

Auf die einzelnen Geschäftszweige des Unternehmens eingehend, konnte die Verwaltung ein nahezu ungetrübtes Bild von der gegenwärtigen Situation des Konzerns entwerfen. Das gilt auch für die Kohle, den nach wie vor bedeutendsten Zweig der GBAG. Die Gelsenberg-Zechen haben im ersten Halbjahr 1960 mit 8,5 Mill. t Steinkohle etwa die gleiche Menge gefördert wie in den ersten 6 Monaten des Vorjahres. Dabei konnten allerdings in diesem Jahre nicht nur die laufende Produktion, sondern darüberhinaus täglich noch 6500 t Kohle und Koks von der Halde abgesetzt werden.

Besonders erfreulich war das Bild, das Dütting von der Gelsenbergbenzin AG entwarf. Die Mineralöltochter des Konzerns hat im ersten Halbjahr 1960 1,7 Mill. t Rohöl durchgesetzt, das sind 11 vH mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Das Heizöl hat, wie Dütting bekanntgab, einen Anteil von etwas über 30 vH an den Mineralölfertigprodukten erreicht. Es bleibe aber gegenüber dem Durchschnitt der deutschen Raffinerien, deren Heizölanteil über 40 vH liegt, noch erheblich zurück.

Eingehend wurde den Aktionären erläutert, welche Bemühungen die GBAG unternimmt, um durch die Weiterverarbeitung der Kohle neue Gewinnmöglichkeiten zu erschließen. Dütting betonte hierzu, daß die Stromerzeugung des Unternehmens nach Fertigstellung des Kraftwerkes Prinz Regent Nord5 Mrd KWh erreichen wird. Da der [~ Zeile fehlt ~] Kraftwerk einen guten wirtschaftlichen Erfolg. Vor allem aber wurde die wachsende Bedeutung der Mineralölverarbeitung am Ertrag der Gelsenberg-Gruppe den Aktionären zur Beurteilung ihrer Chancen empfohlen. Der Anteil der Mineralölerzeugnisse am Fremdabsatz der GBAG ist – umgerechnet auf Steinkohleneinheiten – bereits von 15 vH in 1957 auf 25 vH im vergangenen Geschäftsjahre angestiegen. Durch Vergrößerung der Raffineriekapazität und die Erschließung einer eigenen Rohölbasis in Libyen werde die Mineralölwirtschaft weiter ausgebaut.

Der Vorstand teilte hierzu mit, daß die GBAG sich nicht nur einen 22,5prozentigen Anteil an der Raffinerie Karlsruhe gesichert hat, sondern daß sie sich aller Voraussicht nach auch an einem Raffineriebau in Bayern beteiligen wird. Zunächst einmal werde sich das Unternehmen an dem Bau einer Pipeline von Karlsruhe nach Ingolstadt zusammen mit Esso, Shell und den Karlsruher Partnern (Hibernia, DEA, Wintershall sowie Mobil Oil) beteiligen. Die gesamten Investitionen der GBAG im laufenden Jahr wurden in der Hauptversammlung mit 200 Mill. DM beziffert. Damit werde wieder die Investitionshöhe der Jahre von Beginn der Kohlenkrise erreicht.

Die Diskussion, die sich an die ausführlicher Darlegungen der Verwaltung anschloß, war kurz und sachlich. Auf die Frage eines Aktionärs, an wen und zu welchem Kurs das Krages-Paket, "da: den Kurs der GBAG lange gedrückt hat", – veräußert worden sei, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzer der Gesellschaft, Bergassessor a. D. Dr Ing. E. H. Hans Günther Sohl, daß die Verwaltung von dem Verkauf ebenso überrascht worder sei wie die Öffentlichkeit. Er könne selbstverständlich nichts über die Hintergründe und Bedingungen dieser Transaktion sagen. Dem Vernehmet nach sei das Paket (vorübergehend?) bei einer Großbank gelandet. nmn