An einer Stelle indes war die Begrüßung nicht so enthusiastisch. Da verlor Oberst Ben Omar denn auch sehr schnell seine gute Laune und befahl dem kongolesischen Kommandeur in scharfem Ton, seine Leute antreten und ihm die militärischen Ehren erweisen zu lassen. Der Kongolese war ein wenig verwirrt, gehorchte dann aber schnell. Gemessen erwiderte Ben Omar die Ehrenbezeugung ...

Militärkapelle mit Maskottchen

Auf der kleinen Station von Camp Hardy, ganz in der Nähe von Thysville, drängten sich kongolesische Soldaten zu Hunderten. Es war hier in diesem Lager, wo die Meuterei zuerst ausgebrochen war. Kaum hielt der Zug, da stieg eine marokkanische Militärkapelle mitsamt ihrem Maskottchen, einem schwarzen Ziegenbock, aus und spielte auf dem Bahnsteig Märsche.

Auch in Thysville wurde der UN-Kommandant jubelnd begrüßt. Ben Omar ließ seinen Jeep vor dem Cosmopolite Hotel halten, wo noch vor kurzem eine Anzahl Belgier belagert worden war. Als er durch ein paar Straßen zu den Verwaltungsgebäuden der Stadt ging, wurde er von einer begeisterten Menge von kongolesischen Soldaten und Zivilisten begleitet. Die beiden UN-Beamten, ein Fernseh-Kameramann und ich, wir waren die einzigen Weißen im Gefolge des Obersten, aber auch uns streckten sich Hunderte von Händen entgegen. Von einem Haß gegen die Weißen war nichts zu spüren. Im Verwaltungsgebäude wurden wir von den kongolesischen Beamten höflich, ja geradezu herzlich empfangen. Diese Männer hatten die Verwaltungsaufgaben des Bezirks ganz normal weiter geführt, obgleich doch alle ihre belgischen Chefs geflohen waren.

Im allgemeinen hat man den Eindruck, daß die Leute froh sind über die Rückkehr von Ordnung und Autorität. Doch ist nicht zu übersehen, daß im Camp Hardy während der Wochen, da die Truppe nach der Flucht der belgischen Offiziere sich allein überlassen war, die Disziplin der Soldaten schwer gelitten hat. Im Lager gibt es offensichtlich zwei ganz verschiedene Gruppen. Da sind die alten Soldaten, korrekt und gehorsam, die ihren Aufgaben weiter so nachgehen, wie sie es gelernt haben. Daneben gibt es die jungen. Rekruten, die ziellos durch das Lager bummeln, oder zu Streifzügen durch Thysville und Umgebung aufbrechen. Die Autorität der kongolesischen Unteroffiziere scheint, bei diesen Soldaten immer, nur so lange zu wirken, wie die Unteroffiziere in Sichtweite sind.

Oberst Ben Omar ging sofort entschlossen daran, die Autorität der Truppe wiederherzustellen. Ganz gewaltig stauchte er einen Soldaten zusammen, der in unordentlicher Uniform herumlief. Ein anderes Mal befahl er einer Wache, herauszukommen und die UN-Flagge zu grüßen, die gerade am Mast gegenüber der neuen kongolesischen Flagge hochging. Er rief die kongolesischen Unteroffiziere zusammen und verlangte von ihnen, sie sollten schleunigst alle kongolesischen Truppen in das Lager zurückbringen.

Die Aufgabe, die Ben Omar da zu leisten hat, ist wirklich verflixt schwierig. Denn niemand weiß so recht, was in den kongolesischen Soldaten eigentlich vorgeht.