Es gibt nicht viele Wirtschaftsverbände, die offen aussprechen: Um geht es gut! Zu den sympathischen Ausnahmen gehört der Deutsche Brauer-Bund", dessen Präsident Pfülf, München, auf der Jahrestagung sagte: "Die Lage des Braugewerbes in der Bundesrepublik ist gegenwärtig im ganzen gesehen unzweifelhaft gut zu nennen. Es würde gewiß auch niemand Verständnis dafür haben, wenn ich jetzt ein allgemeines Klagelied anstimmen wollte."

Diese Offenheit verschaffte den kritischen Bemerkungen im Lagebericht von Pfülf um so größere Aufmerksamkeit. Die westdeutschen Brauer befinden sich in einer latenten Krise, die jederzeit aktuell werden kann, sobald die Umsätze nicht mehr weiter steigen. Sowohl in Belgien als auch in Holland und Frankreich haben bereits einige Brauereien in der letzten Zeit schließen müssen. Tatsächlich erwarten viele Brauereien eine deutliche Abschwächung der Zuwachsraten (1958/59 waren rd. 51 Mill. hl erreicht worden).

Auf der anderen Seite sieht Pfülf gerade für kleine und mittlere Brauereien mit örtlichem Absatz Gefahren, soweit die Betriebe in der Nähe unserer Grenzen liegen. So mache sich im Westen die sprunghaft zunehmende Biereinfuhr aus Belgien, Holland und Frankreich bemerkbar. Die Bierimporte aus den EWG-Ländern sind von 30 000 hl 1957 auf 98 000 hl 1959 gestiegen. Die gesamte Biereinfuhr der Bundesrepublik hat 131 000 hl erreicht. Da die deutscheAusfuhr jedoch inzwischen die höchsten Zahlen der Vorkriegszeit hinter sich gelassen hat und mit 849 000 hl an zweiter Stelle in der Welt steht, kann wohl kaum von einer allgemeinen Gefährdung unserer Brauereien gesprochen werden.

Kummer macht allerdings der Unterschied der Braugersten-Erzeugerpreise innerhalb der EWG-Länder. Pfülf teilte mit, daß in Extremfällen die deutschen Brauereien bis zu 60 vH mehr zahlten als die Brauereien der Nachbarländer. Diese Unterschiede werden mit den bevorstehenden Zollsenkungen von 18 auf 14 vH deutlicher zu spüren sein. Präsident Pfülf bezeichnete es aber als gutes Recht der Brauereien des Auslandes, sich um den Absatz in der Bundesrepublik zu bemühen. Im gleichen Zusammenhang bemerkte er, daß viele ausländische Brauereien "sehr modern sind und hochrationell arbeiten". K. D.