die ausländischen Käufer, die noch im Juni deutsche Aktien zu jedem Preis aufgekauft hatten. Doch inzwischen hat das Gespräch um die DM Aufwertung etwas an Aktualität verloren; es wird zwar noch immer geführt, aber an erster Stelle der internationalen Börsendiskussion steht jetzt der Kongo, Die deutschen Anleger spürten die Unruhen in Afrika bislang lediglich beim rund 900 vH liegt er um mehr als 10 vH unter seinem bisher höchsten Stand (1040 vH). Wenn man für diesen Rückschlag allein den KongoKonflikt verantwortlich machen will, dann ist der Schluß gerechtfertigt: Die Börse hat übertrieben. Denn das Geschäft der Unilever im Kongo ist nicht so bedeutend, daß eine Abschreibung von rund 10 vH gerechtfertigt ist. Aber wahrscheinlich versucht die Börse, in die Zukunft zu sehen; sie befürchtet, daß der Kongo nur am Anfang einer Reihe von Konflikten steht. Dieser Lagebeurteilung ist es zuzuschreiben, wenn bei den Aktien zur Zeit auf der Stelle getreten wird. Die Kursschwankungen waren jedoch nicht beunruhigend. Positiv wurde vermerkt, daß der Zentralbankrat in seiner letzten Sitzung vor den Ferien auf neue Restriktionen verzichtet hat. Damit hat die Börse nun einige Wochen Ruhe bekommen; sie dürfte zu einer Bestandsaufnahme benutzt werden, deren erste Auswirkungen jetzt spürbar werden. In den Monaten der Hausse sind die Wertpapierdepots oftmals etwas durcheinandergeraten, da nicht immer, überlegt gekauft worden ist. Eine Bereinigung tut not, zumal dann, wenn die erworbenen Aktien nicht immer voll bezahlt worden sind.

Die letzten Bezugsrechtnotierungen haben gezeigt, daß die Anlagefreudigkeit des Publikums den "zu hohen Kursen" sind nicht ohne Auswirkungen geblieben. Man stellt Gewinne sicher, was vielen über die Veräußerung von Bezugsrechten offenbar am leichtesten fällt. Daß im übrigen die Montanaktien in den Augen der Sparer an Beliebtheit noch nicht sonderlich gewonnen, haben, zeigte das Rheinstahl Bezugsrecht, das den Rheinstahlkurs überdurchschnittlich nach unten Zu Aufwärtsbewegungen, kam es dort, wo sich die Phantasie der Börsianer angesprochen "fühlte. Das war bei Daimler der Fall. Man glaubte Anlaß zu der Vermutung zu haben, daß interessierte Kreise aus optischen Gründen den hohen Daimlerkurs zu drücken beabsichtigen. Er gab auch von 6900 auf rund 6000 nach, dann setzten die spekulativen Käufe ein, so daß eine merkliche Erholung eintrat. Neues Interesse fandet! auch die Maschinenbau Aktien. Hier wurde so argumentiert: Die Bundesrepublik wird sich verstärkt an der Entwicklungshilfe beteiligen müssen. Die Gelder aus diesen Krediten werden zwangsläufig zu einem Teil zurückfließen, und zwar dorthin, wo die Industrieausrüstung für die entwicklungsfähigen Länder bezogen werden kann. Mehr Entwicklungshilfe würde demnach höhere Aufträge bei den Maschinenfabriken bedeuten. Die Börse hat zweifellos den Mut zum Risiko nicht verloren; insgesamt geht es aber ruhiger, zu, von Überhitzung keine Spur mehr. Kurt Wendt 7 60