Als eine Demonstration gegen alles Deutsche war von den polnischen Kommunisten die große Feier aufgezogen worden, mit der auf dem Schlachtfeld von Grunwald in Ostpreußen (in deutschen Geschichtsbüchern als Schlacht von Tannenberg bekannt) eine überdimensionale Denkmalsanlage eingeweiht wurde zur Erinnerung an die siegreiche Schlacht, die König Wladyslaw Jagiello mit einer polnisch-litauischen Übermacht vor 550 Jahren gegen den Deutschen Ritterorden führte. In der heutigen polnischen Geschichtsbetrachtung heißt es: Mit den deutschen "Raubrittern", die zwar von polnischen Königen ins Land gerufen wurden, aber dann nicht wieder gingen, habe jener "Drang nach Osten" begonnen, der bis zu Hitlers Überfall führte. Ja, Gomulka verglich in seiner Festrede mehrmals Bundeskanzler Adenauer mit den verbrecherischen Kreuzrittern, die unter dem harmlosen Vorwand der Heidenbekehrung, mit Feuer und Schwert, immer mehr Länder unterjochten. Der sowjetrussische Regierungsvertreter N. Organow, der bei diesem Stichwort, das die westlichen "Aggressoren" anprangerte, ausrief: "Eure Grenzen sind auch unsere Grenzen", erweckte bei den 200 000 versammelten Polen jedoch sehr geteilte Gefühle.

Man hat in Polen seit je eine Schwäche für Denkmäler, die die heroische Vergangenheit versinnbildlichen. Die Kommunisten nutzen die Schwäche und hoffen, daß dieses aus "freiwilligen Spenden des gesamten Volkes" erbaute Denkmal ein Wallfahrtsziel für Patrioten wird, das möglichst "Jasna Gora" bei Tschenstochau übertrumpft, jenen Heimatort der Schwarzen Madonna, die jährlich Millionen von gläubigen katholischen Pilgern anzieht. Schon ist in der Nähe des Schlachtfeldes ein Touristenhotel mit allem Komfort erbaut worden. K.