Der bundeseigenen Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, Herne, fehlt zwar ein "direkter Draht" zu einem Hüttenwerk, aber die Konzernpalette dieses großen Zechenunternehmens enthält dafür andere sehr kräftige Farben, die das Schwarz der Kohle erfreulich beleben. Bergbau, Energie und Chemie sind die drei tragenden Säulen des Konzerns, der mit seiner aufstrebenden Kraftwirtschaft und vor allem mit seinen bei der 100-vH-Todner Scholven-Chemie AG konzen- trierten Ölinteressen ein vielversprechendes Gegengewicht zu der auch hier auf dem Rückzug befindlichen Kohle geschaffen hat. Diese Mischung schlägt sich gegenwärtig vor allem in der Ertragsrechnung des Konzerns nieder, die sich im vergangenen Geschäftsjahre trotz weiterer negativer Einflüsse von der Kohlenseite nicht unwesentlich verbessert hat.

Die Hibernia-Zechen allein, die mit 9 vH an der Förderung des Ruhrbergbaus beteiligt sind, haben selbstverständlich im Geschäftsjahr 1959 noch keine rosigen Zeiten erlebt. Die um 4,6 vH auf 10,3 (10,8) Mill. t. gesenkte Jahresförderung hat wiederum nicht vollständig abgesetzt werden können. Das gleiche Bild ergab sich bei der Kokserzeugung, die allerdings um 22 vH auf 2,38 (3,06) Mill. t. wesentlich stärker gedrosselt worden ist. Zwar ist der Kohlenabsatz auf 5,6 (5) Mill. t angestiegen, aber da auch gleichzeitig der Kohleneinsatz in den Zechenkokereien um fast 25 vH gesenkt werden mußte, sind die Haldenbestände im Hibernia-Bereich im Berichtsjahre weiter auf 517 000 t Kohle (+ 0,2 Mill. t) und 929 000 t Koks (+ 0,35 Mill. t) angewachsen. Diese Entwicklung hat sich sogar im laufenden Jahre noch weiter fortgesetzt. In den ersten 6 Monaten des Jahres 1960 sind hier die Halden nicht nur wie bei vielen anderen Zechengesellschaften nicht konstant geblieben, sondern es mußten weiterhin Kohlen und Koks auf Halde gekippt werden. Allerdings glaubt die Verwaltung nunmehr, mit ihren Einschränkungen im Zechenbereich den Anschluß an die Absatzmöglichkeiten erreicht zu haben.

Die nach 40 000 t im Berichtsjahr auf jetzt 36 000 t verringerte Tagesförderung müsse "im Rahmen des Richtigen" liegen, meinte Vorstandsvorsitzer Bergrat Dr. Werner v. Dewall vor der Presse. Die Hibernia hat zum 1. Juni d. J. die Zentralkokerei Scholven mit einer Tageskapazität von 3350 t Koks und zum 1. Juli die Zeche Wilhelmine Victoria, die im vergangenen Jahre 652 780 t Kohle gefördert hatte, stillgelegt. Es könnten aber unter Umständen noch weitere Einschränkungsmaßnahmen folgen müssen, ließ der Vorstand in der Pressekonferenz durchblicken.

Hinsichtlich der Ertragsentwicklung bei den Zechenbetrieben wird darauf hingewiesen, daß die Kokereien mit einem erheblich angestiegenen Verlust abgeschlossen haben. Das entspricht zweifellos der Lage im gesamten Ruhrbergbau. Aber das Betriebsergebnis der Grubenbetriebe habe sich gegenüber dem Vorjahr nicht verschlechtert, heißt es im Geschäftsbericht. Die Rationalisierungs-Investitionen der vergangenen Jahre wirken sich in zunehmendem Maße günstig aus. In der Pressekonferenz wurde diese Angabe dahin ergänzt, daß die effektiven Selbstkosten im Durchschnitt aller Hiberniazechen seit 1958 um 6,30 DM je t gesenkt werden konnten. Die Verwaltung erwartet noch weitere Kostensenkungen. Vor allem wird die Schichtleistung, deren Anstieg auf 1791 (1588) kg je Mann unter Tage schon im Berichtsjahr positiv zu Buch geschlagen hat, weiter verbessert werden können.

Der Umsatz der Hibernia hat sich im Jahre 1959 auf 744,6 (762,3) Mill. DM ermäßigt. Dagegen weist der Konzernumsatz die beachtliche Steigerung auf 1,7 Mrd. DM auf, die vorwiegend auf das Konto der Scholven-Chemie geht. Die Öltochter hat auch zu der Ertragsrechnung des Konzerns den größten Beitrag gelietert. Zu dem wirtschaftlichen Ergebnis des Jahres 1959 haben nach den Angaben der Verwaltung der Bergbau 12 vH, die Chemie 50 vH, Handel und Verkehr 12 vH und sonstige 26 vH beigetragen.

Als bundeseigenes Unternehmen – die Aktien der Gesellschaft befinden sich ausnahmslos im Besitz der Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-Aktiengesellschaft (VEBA) Hamburg – befindet sich die Hibernia in der glücklichen Lage, ihre Dividende nicht vor unter Umständen enttäuschten Aktionären verteidigen zu müssen. nmn