Als die Frische des Schattens

Der deine Schläfe kost

Eine Sekunde lang

Aus "Malaiische Liebeslieder"

Hier hat ein Dichter einer Frau Verse in den Mund gelegt, die von einer einzigartigen Hingabe sind. Nicht nur einer persönlichen, sondern einer kosmischen. Hier wird jede Zeile zu Gefühl, und was anderes denn sollte ein echtes Liebesgedicht ausdrücken als romantisches Gefühl, Unterwerfung unter die, einem auferlegte, schicksalhafte Leidenschaft.

Damit man nicht glaube, daß ich dieses Gedicht nur wählte, weil ich die Frau Yvan Golls bin, möchte ich einige Aussagen über diese Verse zitieren.

In seinem Essay über Yvan Goll schrieb Marcel Brion, Paris, indem er gerade dieses Gedicht zitierte: "Ich glaube nicht, daß je ein schöneres Gedicht geschrieben wurde als dieses, das nichts als Seele ist, eine einzige, lange, sonore Linie, deren Vibrationen sich in der Unendlichkeit verlieren."