Die Hauptversammlung der Chemie-Verwaltungs-AG ist ruhiger verlaufen als im vergangenen Jahr. Rechtsanwalt Gordon, bisher ein sehr heftiger Opponent, bezeichnete sie als eine HV des guten Willens; er erkannte an, daß sich die Verwaltung in der zurückliegenden Zeit bemüht hat, mit den Aktionären zusammenzuarbeiten. Das schöne Wetter überrascht nicht weiter, die alte Problematik der Hüls-Holding ist nämlich im wesentlichen bereinigt. Die Entflechtung aus dem alten IG-Konzern ist abgeschlossen. Geblieben sind lediglich einige von den Alliierten seinerzeit angeordnete Satzungsbestimmungen, die die Bewegungsfreiheit des Unternehmens einschränken. Die Hauptversammlung hatte es im vergangenen Jahr abgelehnt, sie zu ändern.

Im Zuge der Normalisierung ist es in der Verwaltung zu einer Änderung gekommen. Dr. Ing. Ulrich Hoffmann tritt endgültig in den Vorstand ein, um hier seine Erfahrungen, die er als führender Chemiker, der den ganzen Werdegang von Hüls miterlebt hat, für die Holding nutzbar zu machen. Sein bisher im Aufsichtsrat eingenommener Sitz wurde also frei. Es sprach einiges dafür, ihn durch einen Aktionärvertreter besetzen zu lassen. An die Verwaltung war die Anregung herangetragen worden, hierfür Rechtsanwalt Mathern in Vorschlag zu bringen. Dem wurde entsprochen. In der HV fand dieser Vorschlag die Unterstützung von Gordon. So wurde Mathern mit großer Stimmenmehrheit in den Aufsichtsrat gewählt. Wie man hört, vertritt er ein großes Paket, das sich im Eigentum des bekannten Bremer Holzkaufmanns Krages befindet.

Die Hauptversammlung hat weiterhin über den Antrag der Verwaltung, 40,8 Mill. DM Rücklagen in Nennkapital umzuwandeln, entschieden. Für die Aktionäre bedeutet das, daß sie auf zwei alte CVA-Aktien eine neue gratis erhalten. Auch dies ist ein Normalisierungsvorgang. Das Nennkapital der Holding mußte seinerzeit relativ niedrig angesetzt werden; es bestanden aus der Entflechtung Eventualverpflichtungen gegenüber der alten IG. Sie sind inzwischen entfallen. Die entsprechenden Rückstellungen von 35,5 Mill. DM wurden deshalb 1958 in Rücklagen umgewandelt. Diese stehen jetzt zur Aufstockung des Nennkapitals zur Verfügung.

Die Verwaltung von CVA schlägt für 1959 eine Dividende von 11 vH auf das alte Aktienkapital vor. Hierfür werden rd. 9 Mill. DM gebraucht. Die Beteiligung an den Chemischen Werken Hüls, die 1958 eine Dividende von 13 vH zahlten, bringt allein 8,3 Mill. DM. Hinzu kommen Zinsen u. ä. Insgesamt beträgt der Reingewinn 9,6 Mill. DM.

Praktisch kommt so jetzt die Hüls-Dividende für das Geschäftsjahr 1958 zur Ausschüttung, obwohl nach Abschluß der HV von Hüls die Dividende für 1959 bereits bei der Chemie-Verwaltung eingeht. Hierin sieht man bei der Verwaltung der CVA einen Mangel. Der nächsten Hauptversammlung will sie Vorschläge unterbreiten, wie sich das ändern läßt. Praktisch läuft das wohl darauf hin aus, daß im kommenden Kalenderjahr zwei Dividenden, bezahlt werden.

Die Hüls-Dividende 1959 beträgt 15 vH. Auf die CVA fallen damit 11,72 Mill. DM, was etwa 35 vH mehr ist als das, was jetzt bei der Holding zur Ausschüttung kommt. Dieser Betrag verteilt sich nach der vorgenommenen Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln auf ein breiteres Stammkapital. An der Nominaldividende wird sich also nicht viel ändern.

Auf der HV, aber auch im Geschäftsbericht, wußte die Verwaltung der CVA Erfreuliches über Hüls zu berichten. Eine günstige Entwicklung aber bedeutet heute in der Regel Expansion und damit die Notwendigkeit von Investitionen. Auch die Chemischen Werke Hüls denken daran, ihr Kapital zu erhöhen. Es besteht noch ein genehmigtes Kapital von 30 Mill. DM; es wird demnächst angefordert werden. Die Hälfte der Aktien muß die CVA beziehen, um ihre 50prozentige Beteiligung an den Chemischen Werken Hüls aufrechtzuerhalten. Das belastet die Holding im Augenblick noch nicht allzusehr. Es besteht noch ein den Chemischen Werken Hüls gewährtes Darlehen in Höhe von 10 Mill. DM. Dieser Betrag steht für weitere Kapitalaufstockungen zur Verfügung. Aber auch sonst ist die finanzielle Bewegungsfähigkeit der Holding beachtlich.

Von ihren Passiven in Höhe von 146 Mill. DM fallen über 92 vH auf eigene Mittel und nur 1,7 vH auf Fremdkapital. Der verbleibende Rest ist der Gewinn, der jetzt ausgeschüttet wird. Er wird sich, sobald Hüls die Dividende bezahlt, regenerieren. Bei wachsendem Kapitalbedürfnis der Tochtergesellschaft wird allerdings auch eines Tages die Holding daran denken müssen, die eigenen Mittel zu stärken. W. Ringleb