Das Wort Lenins: "Die junge Generation soll den Kommunismus lernen. Unterricht, Erziehung und Bildung sind so zu organisieren, daß sie fähig sind, die kommunistische Gesellschaft zu schaffen." Dieses Wort bestimmt den Inhalt der Schulbücher der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.

Der "sozialistische Lehrplan", nach dem der Unterricht in den Schulen Mitteldeutschlands seit dem 1. September des letzten Jahres erteilt wird, erläutert den Satz Lenins folgendermaßen: "Der Weg der Menschheit führt zum Kommunismus. Das Tor zum Kommunismus ist bereits aufgestoßen. Alle sozialistischen Länder werden den Weg zum Kommunismus gemeinsam beschreiten. Die Schüler erkennen, daß mit dem Aufbau des Sozialismus-Kommunismus ein Leben in Glück, Wohlstand, Frieden und Freiheit geschaffen wird."

Die geographische Grenze dieses Schlaraffenlandes verläuft mitten durch Deutschland: "Die DDR, ein Staat der Arbeiter und Bauern, ist das Vaterland aller Werktätigen"; die Bundesrepublik dagegen ist ein "Militaristenhort", den es "durch die geeinte Kraft der Arbeiterklasse zu beseitigen" gilt.

"Im ständigen Vergleich zum militaristischklerikalen Obrigkeitsstaat in der Westzone", so lautet die Anleitung zur "Staatsbürgerkunde in der neunten und zehnten Klasse", "ist herauszuarbeiten, wie dort die Rechte der Werktätigen mißachtet und die demokratischen Kräfte verfolgt werden."

Nach diesem Rezept sind die Lehrbücher vom 1. bis zum 12. Schuljahr von einem meist anonym gebliebenen "Kollektiv von Wissenschaftlern" systematisch bearbeitet oder völlig neu geschaffen worden: in erster Linie die Geschichtsbücher. Die Geschichte der Menschheit wird als Vorbereitung zum Aufbau des Sowjetstaates dargestellt. Das geschieht mit um so gröberem Zuschnitt, oft in Form primitivster Schlagwort-Propaganda, je niedriger die Schulklasse, je jünger also der Leser ist.

"Durch die Geschichte erfahren wir", so heißt es im Geschichtsbuch für das 5. Schuljahr, "wie sich in den einzelnen Völkern große Gegensätze zwischen Reichen und Armen bildeten. Die Reichen eigneten sich die fruchtbarsten Äcker an, die Armen mußten für sie arbeiten ..., wurden ausgebeutet Das erste Land, in dem die Ausbeutung des Menschen abgeschafft wurde, ist die Sowjetunion."

"Zum erstenmal in der Geschichte", so wird im Geschichtsbuch für das 8. Schuljahr "berichtet", "befreiten sich durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution die Menschen von ihren Ausbeutern, ohne daß neue Ausbeuter an deren Stelle traten." Und schließlich: "Im Sozialismus gilt der Grundsatz: Jeder nach seinen Fähigkeiten, nach seiner Leistung; im Kommunismus: jeder nach seinen Bedürfnissen!"