Was im Lebensmittel-Einzelhandel von jeher in Einzelfällen üblich war, droht leider allgemein einzureißen: das Anbieten großer Mengen als Preiseinheiten.

Wenn drei Pfund überreife Bananen eine Mark kosten, dann ist das eine zweckmäßige Maßnahme, die nun nicht mehr lange haltbare Ware schnellstens abzusetzen; sie ist auch für den Käufer vorteilhaft – falls er drei Pfund gebrauchen kann. Ehemals wurde selbst in solchen Fällen noch ein Pfund abgegeben, wenn auch verständlicherweise nicht ganz so günstig. Heute kann man die Antwort bekommen: "Ein Pfund – habe ich nicht!"

Aber sehen wir von Schnellverkäufen überreifer, leichtverderblicher Ware ab. Die Abgabe in nur größeren Mengen ist auch beim normalen Angebot üblich geworden.

Das Schild "1 1/2 Pfund DM 1,10" soll doch den Eindruck eines besonders günstigen Preises hervorrufen, was aber nicht immer der Fall ist. Nicht jeder rechnet sich aus, daß dies einem Pfundpreis von 73,3 Pfennigen entspricht und unter Umständen ganz normal ist. Wer aber nur ein Pfund kaufen möchte, bekommt auch hier nicht selten die Antwort: "kann ich nicht abgeben"; und selbst die Bereitschaft, 75 Pfennige zu zahlen, nützt nichts. Immerhin könnte ein Alleinstehender oder ein Kind einmal ein halbes Pfund Kirschen kaufen wollen; aber das ist vollends ausgeschlossen bei solchen "Großhändlern".

Ob es nun ein Riesenstrauß Petersilie ist, den selbst eine Fünf-Personen-Familie kaum in der gebotenen Zeit verwenden kann, oder der kiloweise gebündelte Spargel – man wird bei vielen Obst- und Gemüse-Angeboten gezwungen, größere Mengen als beabsichtigt zu kaufen. Ähnliche Taktiken schlagen viele Blumenhändler ein. Auch hier: nichts gegen schnellen Verkauf größerer Mengen, sofern es sich um nicht mehr frische Ware zu günstigen Preisen handelt. Aber auch normale Blumen zu angemessenen Preisen sind im durchschnittlichen Blumenhandel oft nur noch in Bündeln zu haben, und Wünsche nach kleineren Mengen werden belächelt.

Was kommt bei solchem Geschäftsgebaren heraus? Kurz gesagt: nichts. Auf die Dauer lassen sich viele Kleinverbraucher nämlich nicht zwingen, mehr abzunehmen, als wirklich nötig ist. Es gibt viele Hausfrauen, die auf diePetersilie und Schnittlauch, auf die Blumen und das Obst und vieles andere verzichten, wenn sie das nur in für den kleinen Haushalt übermäßigen Mengen haben können.

Die Geschäftsleute beleben ihren Umsatz durch den Mengenverkauf nicht; sie könnten mindestens dieselben Umsätze und Gewinne mit der guten alten Sitte des Kleinverkaufs in jeder gewünschten Abmessung erzielen. Allerdings würde das etwas mehr Arbeit verursachen. Die allgemein um sich greifende Abneigung gegen Arbeit scheint jetzt auch bereits bis in die Kreise kleiner selbständiger Geschäftsleute – die ja hauptsächlich den Bedienungs-Lebensmittelhandel und die Blumengeschäfte betreiben – vorgedrungen zu sein.