AdF, Rom, Ende Juli

Der gequälte Optimismus, mit dem die Kommunisten und Nenni-Sozialisten den Wechsel von Tambroni zu Fanfani begleiteten, wandelt sich zusehends in säuerliches Mißtrauen. Eine demokratische Front ist das letzte, was die Regisseure der Volksfrontmanöver erwartet hatten.

Jetzt, da Amintore Fanfani, der 52jährige Führer des linken Flügels der Democrazia Cristiana, die Aufgabe übernommen hat, eine Regierung zu bilden, die zwar nur aus Vertretern seiner Partei bestehen, aber im Parlament dank der Hilfe der Sozialdemokraten, Liberalen und Republikaner über eine solide Mehrheit verfügen wird, flaut das Triumphgeschrei der Linksradikalen über die angeblich von ihnen erzwungene Ablösung Tambronis merklich ab. Ihre Propaganda hat nun das Angriffsziel gewechselt. Der sozialistische Avanti spricht von der Notwendigkeit einer "vom Volk gewünschten vollständigen Erneuerung der italienischen Politik". Die kommunistische Unitá droht: "Der Faschismus ist nicht auf die neofaschistische Partei begrenzt", und fordert gleichzeitig eine innenpolitische Entspannung, die in der "Abschaffung der politischen Diskriminierung der fortschrittlichen demokratischen Kräfte" bestehen soll.

Der italienische Kommunistenführer Palmiro Togliatti, der während der Vorbereitung des "antifaschistischen Volksaufstandes" in Moskau war und mit dem Präsidium der kommunistischen Mutterpartei die internationale Lage besprach, ist wohl am unglücklichsten über die Entwicklung, die von den Heißspornen in seiner Partei mit so revolutionärem Elan vorangetrieben wurde. Das war nicht nach dem Geschmack des Mannes, von dem Stalin einmal zu Tito sagte: "Togliatti wird nie eine Revolution machen. Er ist ein Professor Aber er hatte zu spät gebremst. Seine Streithähne benahmen sich zwar danach bei der Diskussion über die Gegenmaßnahmen der Regierung Tambroni so artig wie Eton-Boys, aber der Schreck, den die Gewalttaten der roten Rollkommandos verursacht hatten, ließ sich nicht so schnell verwischen.

Die positive Wendung in Italien hat freilich die kommunistische Gefahr nicht ausgeschaltet; immerhin besteht nun wenigstens die Chance, sie langsam einzudämmen. Das Unternehmen steht und fällt mit der Loyalität, mit der man die wiederbelebte demokratische Solidarität verwirklicht. Vieles hängt vom neuen Ministerpräsidenten Fanfani ab. Wird Fanfani, der vor drei Jahren die Zusammenarbeit der Parteien der Mitte unmöglich machte und die dadurch ausgelöste Verkrampfung der italienischen Politik verschuldete, die neue Regierung im toleranten Geist de Gasperis führen? Hat er aus seinen bitteren Niederlagen seit 1955 gelernt?

Vom Regierungsprogramm stehen bisher nur drei Kardinalpunkte fest:

1. Energische Bekämpfung der kommunistischen Gefahr im Innern.