Das ist weit mehr als nur ein formeller Unterschied. In der Bezeichnung "Der Oberstaatsanwalt" kommen der behördenähnliche Charakter, das generelle Weisungsrecht zum Ausdruck, in der Bezeichnung "Die Staatsanwaltschaft" das kollegiale Prinzip mit einer weit größeren Selbständigkeit des einzelnen Staatsanwalts in seinem Geschäftsbereich. Deshalb sehen die Staatsanwälte in dieser Organisationsverfügung eine Prinzipienfrage.

Hat man erst den Staatsanwalt zu einem regierungsabhängigen Funktionär gemacht, dann kann man ihn jederzeit, indem man ihm einen der Regierung willfährigen Behördenleiter vor die Nase setzt, wunschgemäß gängeln. Und der Verdacht liegt nahe, daß solche Erwägungen die Verfasser des Regierungsentwurfs zum Richtergesetz stark beeinflußt haben. Robert Strobel