Gelegentlich klingen Ausrufe des Entsetzens ans Ohr der Literatur-Redaktion dieser Zeitung: Wie können Sie einen Illustrierten-Roman loben! Wie können Sie sich überhaupt damit befassen!

Moment mal: Was ist das eigentlich, ein "Illustrierten-Roman"? Ganz einfach? Ein Roman, der in einer illustrierten Zeitschrift abgedruckt ist?

Doch wohl nicht im Ernst. Möglicherweise verrät der Abdruck in einer Illustrierten etwas über Charakter, Geschmack und kommerzielle Fähigkeiten des Autors oder seines Agenten oder des Redakteurs, der den Roman zum Abdruck angenommen hat. Er verrät zunächst nichts, aber auch gar nichts über die Art oder gar über die literarische Qualität des Romans. Die besten Romane können ebenso in Illustrierten abgedruckt werden wie die schlechtesten.

Es gibt jedoch eine zweite Art von Illustrierten-Roman, die nun allerdings kaum einen Anspruch auf literarische Wertung hat. Sie wird durch die folgenden Faktoren gekennzeichnet:

1. Den Namen des Autors, der da steht, gibt es gar nicht.

2. Sie verlaufen in abfallender Kurve: werden mit viel Getöse angekündigt, illustriert, über die ersten Fortsetzungen gebracht – und verplätschern sich dann.

3. Sie werden erst einmal als Exposé verkauft, danach im Fließbandverfahren (Tagelohn oder Akkord) von verschiedenen Schreibern hergestellt, von anderen bearbeitet, von dritten poliert und auf Hochglanz gebracht.