... wenn’s um echte Prinzen geht

Wie hoch muß den 37 amerikanischen Mamas das Herz geschlagen haben, als sie mit ihren 37 Töchtern, das weiße Tüllkleid aus der Fifth Avenue im umfangreichen Gepäck, zum "First American Debutante Ball in Rome" starteten; wußten sie doch, daß dieses Fest als das gesellschaftliche Ereignis der römischen Sommersaison angekündigt worden war, und daß viele Römer extra seinetwegen den Aufbruch in die Sommerferien verschoben hatten. Hatte doch der Leiter des amerikanischen "Debutante Register", Mister Stuart J. Whitmarsh, jeder von ihnen im Vertrauen mitgeteilt, daß die Tänzer der glücklichen Auserwählten fast alle Prinzen, authentische römische Prinzen sein würden. Hinter ihren taufrischen Töchtern stand ein imponierender Ausschnitt der amerikanischen Wirtschaft, das Lebenswerk ihrer erfolgreichen Väter: Petroleum, Konserven, Zahnpasta ... Es fehlte nur der dekorative Name – und den Prinzen die klingende Mitgift.

Ein anerkannter "Deb" in Amerika zu sein, ist Aufgabe und Verpflichtung. Nur in den Vereinigten Staaten ist man heute noch ernstlich bemüht, einen Schimmer aus der Glanzzeit der Debütantinnen, der Zeit der Queen Victoria, zu retten. Damals verneigten sich die 18jährigen Töchter der Gesellschaft, große scheue Kinder, vor Ihrer Majestät, und der königliche Kuß auf die Wange bedeutete so etwas wie eine mondäne Einsegnung. Die junge Schöne jener Tage, die nach Ablauf der Londoner Saison, in der sich ihr alle eleganten Häuser öffneten, nicht den Mann fürs Leben gefunden hatte, mußte wirklich Pech haben oder entschieden keine Schönheit sein. Sie tanzte dann höchstens noch einen Sommer, und wenn auch das erfolglos war, konnte sie sich, kaum 20jährig, zu den alten Jungfern rechnen ...

Heutzutage gibt es zwar auch in England noch die "Debutante Saison", in der die jungen Mädchen wie eh und je von einem Fest zum andern taumeln; es gibt auch heute noch die Liste der jungen Herren, die zum Teil jahrelang den heiteren, anstrengenden Sommerberuf des Debütantentänzers ausüben und ihn erst aufgeben, wenn sie eine Frau fanden, oder wenn sie – sehr ärgerlich – als F. I. (financially insecure) oder N. S. T. (not safe in taxi) von der Liste gestrichen werden. Aber der echte Glanz ging verloren, seit sich im März 1958 zum letztenmal die Debütantinnen im Hofknicks vor Königin Elizabeth verneigten.

Einer der Gründe, die presentation im Buckingham Palace aufzugeben, war der zerlaufene Begriff der Gesellschaft. Eines seiner Symptome, daß immer häufiger junge oder auch nicht mehr ganz junge Mädchen aus Amerika vor der Königin defilierten. Diese Mädchen, die in Boston oder New York schon vor Jahren debütiert hatten und dort bereits als Veteranen galten, fanden ohne allzugroße Mühe alte englische Ladies, die sich für ein paar hundert Dollars gern bereit erklärten, sie der Königin vorzustellen. Da murrten die englischen Mütter, die nicht gerade ein paar hundert Dollars zur Hand hatten.

Der englische Hof beschloß, mit einer alten, von der Zeit überholten Sitte zu brechen.

Der Eintrittspreis von 50 Dollar für den Ball der Debs in Rom, samt einer persönlich gearteten Spende der Väter dient dem Hilfswerk des Roten Kreuzes "Goccia di Latte", dem symbolischen Milchtropfen, der Tausenden von hungernden Kindern jeden Morgen ein Frühstück garantiert. Aber die jungen Damen waren schließlich nicht der hungernden italienischen Kinder wegen hergekommen. Sondern, um das romantischste Abenteuer ihres Lebens zu bestehen.