Den 20. Juli 1944 im Bewußtsein des deutschen Volkes als ein Datum historischer Tragik zu verankern, gibt sich das Fernsehen anhaltende Mühe. Unvergessen sind die Diskussion und ein Fernsehspiel vom vorigen Jahr. Ähnlich beschaffen, doch noch konzentrierter, waren diesmal die beiden, auf zwei Abende verteilten Beiträge, von denen der dokumentarische Bericht "Das Atentat" aus Baden-Baden, das Fernsehspiel "Paris, 20. Juli" aus Köln kam.

Dieter Ehlers hat mit Akribie und Ernst an Dokumenten vieles von dem zusammengetragen, was erreichbar war, um die Vorbereitung, den Verlauf und die Folgen des von Oberst Stauffenberg versuchten Mordes an Hitler zu rekonstruieren. Bei dem Versuch, die damaligen Verhältnisse noch einmal lebendig zu machen, erwies sich freilich – wie schon bei manchen Dokumentarfilmen –, daß an originalem Tonfilmmaterial in Westdeutschland weniger vorhanden ist als im Ausland, so daß mit manchem Behelf gearbeitet werden mußte. Um so anerkennenswerter ist, wie Ehlers durch einen streng auf die Tatsachen beschränkten Text auch Standphotos zum "Sprechen" brachte. Die eindringlichsten Auskünfte gaben einige vor der Kamera befragte Überlebende. "Der Mann auf der Straße" dagegen, der vor der Münchner Feldherrnhalle und auf dem Nürnberger ehemaligen Reichsparteitaggelände mit dem Mikrophon überfallen wurde, lieferte nicht die stärksten Beiträge.

Solche Sendungen sollten vor allem die Jugend über das, was wirklich geschah, unterrichten. An diesem Ziel gemessen, sprang der kundige Autor stellenweise zu souverän mit Ereignissen, die erst vermittelt werden sollten, hin und her. Einer Frage, die wiederholt auftauchte, sollte bei künftigen Darstellungsversuchen nicht mehr ausgewichen werden: Waren die Vorbereitungen sorgfältig genug getroffen worden?

Die Bereitschaft des Militärs zum Handeln war politisch nicht genügend unterbaut. Auf dieses Hasardeur-Moment wies der zaudernde, nach dem Mißlingen des Attentats rein als Soldat reagierende "Generalfeldmarschall" in dem Fernsehspiel "Paris, 20. Juli" mit Recht hin. Dieses Drama – Originaltitel "Verrat" – ist als Leistung des Autors – des Engländers Saunder Lewis – erstaunlich. Er sparte um der menschlichen Allgemeingültigkeit willen alle historischillustrativen Details aus und bezeichnete die handelnden Personen nur mit ihrem Dienstgrad. Lewis’ komprimierter, zugespitzter, oft glänzender Dialog dürfte die persönlichen Entscheidungen, die damals von Offizieren getroffen werden mußten, besonders solchen Zeitgenossen, die mit den Tatsachen vertraut sind, verständlich gemacht haben. – Eine Musterleistung an Kammerspiel-Regie, die durch ihre Verhaltenheit besonders packte, vollbrachte der Regisseur Hans Schweikart mit den Schauspielern Bernhard Minetti, Rudolf Therkatz, Peter Schütte, Dieter Borsche, Otto Collin, Hermann Lenschau, Anna Smolik. J. J.