Von Hanne Huber

Die Zahl der chromblitzenden "Verkaufshelfer nach Ladenschluß", der Automaten, hat in den letzten -Jahren stark zugenommen. Den regen Zuspruch seitens der Verbraucher verdankt der "Automatismus" nicht zuletzt den seit einigen Jahren durch das Ladenschlußgesetz gesetzlich verkürzten Verkaufszeiten. Anfang dieses Jahres befanden sich in unseren Landen rund 222 000 Warenautomaten in Betrieb. Es steht fest, daß das Anbieten von Waren durch Automaten immer mehr zunehmen wird, schon weil das Verkaufspersonal immer knapper wird und der Verkauf daher also immer stärker rationalisiert werden muß.

Rund die Hälfte der Warenautomaten bieten Tabakwaren an. Ansonsten haben die Automaten hauptsächlich Süßwaren, Backwaren, Textilien, Blumen, Schallplatten und kosmetische Artikel zu bieten. Jedoch gibt es auch schon 600 Heißgetränke-Automaten in der Bundesrepublik. In sommerlicher Hitze finden die Apparate, die fertige Kaltgetränke oder aber Bier und Mineralwasser in Flaschen bieten, dankbare Kunden.

"Haben Sie innerhalb der letzten vier Wochen etwas aus dem Automaten gezogen?" So fragte das EMNID-Institut vor einigen Wochen 2000 repräsentiv ausgewählte Personen im Bundesgebiet im Alter von mehr als 16 Jahren.

36 vH der befragten Personen antworteten mit Ja, 61 vH mit Nein, der Rest machte keine Angaben. Von den befragten Männern haben 52 vH, von den befragten Frauen nur 23 vH in dieser Zeit Wünsche aus dem Automaten befriedigt. Dieser ausgeprägte Unterschied ist nicht weiter verwunderlich, da wie gesagt weitaus die größte Zahl der Automaten Zigaretten enthält. Ebensowenig erstaunlich ist wohl ein anderes Ergebnis der Umfrage, daß nämlich die Inanspruchnahme mit zunehmender Wohnortgröße steigt, einmal natürlich wegen der höheren Bevölkerungsdichte der Großstädte und zum anderen deswegen, weil für den Bewohner kleinerer Ortschaften nach 18.30 Uhr die Hintertür den Automaten des Großstadtbewohners ersetzt. Und schließlich hat die Untersuchung auch gezeigt – was ohnehin jedem Straßenpassanten auffällt –, daß es vorwiegend die jüngeren Jahrgänge sind, die sich des Automaten bedienen.

Auf den ersten Blick könnte das EMNID-Ergebnis zu wenig günstigen Schlußfolgerungen hinsichtlich der Chancen des Verkaufs durch Automaten verleiten, da nur gut die Hälfte der befragten Männer und nicht viel mehr als ein Fünftel der befragten Frauen im fraglichen Zeitraum Waren aus dem Automaten bezogen haben.

Aber das erklärt sich zu einem beachtlichen Teil aus den bereits angedeuteten Grenzen, die dem Automaten-Verkauf noch gesteckt sind. Da ist einmal die im Ladenschluß-Gesetz verankerte Residenzpflicht. Danach dürfen Warenautomaten nur dann an allen Tagen durchgehend Tag und Nacht in Betrieb gehalten werden, wenn sie mit einer offenen Verkaufsstelle räumlich verbunden – in der Regel also an einem Einzelhandelsgeschäft angebracht – sind. Wer sogenannte "unverbundene" Automaten, die nicht bei einem Laden stehen, aufstellen will, eröffnet damit quasi eine selbständige Verkaufsstelle und ist somit den gesetzlichen Ladenschlußzeiten unterworfen. Wenn die Läden schließen, muß dann auch der Automat plombiert werden. Innenautomaten in Kantinen und Gaststätten unterliegen dagegen nicht der Ladenschlußzeit. Der Automatenverkauf soll jedoch mithelfen, den Verbraucher dann zu versorgen, wenn die Läden geschlossen sind. Die Aufstellung von Automaten an Straßenecken, Wohnsiedlungen usw. nützt dem Verbraucher, solange die Residenzpflicht besteht, so gut wie nichts. Die Aufstellung von Automaten in Konkurrenz mit anderen Ladengeschäften ist nicht rentabel, wenn auch der Automat um 18.30 Uhr "schließen" muß. (Ausgenommen davon sind lediglich die selbständigen Warenautomaten auf Bahnhöfen und Flughäfen.