So ist denn schon der Gesetzentwurf mit dem Prädikat mittelstandsfeindlich belegt worden. Außerdem, so argumentieren die Kritiker, werden die so begünstigten Arbeitnehmer schnell den Charakter der Freiwilligkeit dieser betrieblichen Zuwendungen vergessen, da beispielsweise schon jetzt die Weihnachtsgratifikation in der Regel als wohlerworbener Anspruch verstanden wird. Ferner wird behauptet, daß von einer Erfolgsbeteiligung bis zur Mitbestimmung nur noch ein kleiner Schritt sei.

Doch dieser Bedenken nicht genug: Nach Wolfgang Frickhöfer von der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft sind die Miteigentumspläne nicht damit zu rechtfertigen, "daß bei der Vermögensbildung in Unternehmerhand gesündigt wurde und nun ein entsprechender Ausgleich durch ein gleiches Sündenmaß gewährt werden müsse". Eigentumspolitische Sünden dürfe man nicht mit entgegengesetzten Sünden derselben Art bekämpfen. Mit anderen Worten: quod lizet jovi, non lizet bovi, auf gut deutsch: Was der Unternehmerwirtschaft in den vergangenen Jahren an eigentumsfördernden Maßnahmen der öffentlichen Hand recht war, soll den Arbeitnehmern nicht billig sein. Begründung: Halbgeschenktes Eigentum würde bei den Arbeitnehmern niemals jenes echte Eigentumsgefühl hervorrufen, das auf dem selbstverantwortlichen Erwerb aus eigener Kraft beruht... Außerdem höhle man den Eigentumsbegriff in gefährlicher Weise aus, wenn man dem einen (Unternehmer) nehme, um dem anderen (Arbeitnehmer) zu geben. Dabei denkt niemand aber an eine zwangsweise Eigentumsumschichtung.

Uns scheint, als ob hier gar zu kraß mit zweierlei Maß gemessen werde. Die Kritik läuft letztlich darauf hinaus, in punkto Vermögens- und Eigentumsbildung alles beim alten zu lassen – denn welche Gruppe ist heute entschlossen und stark genug, die künstlichen Begünstigungen der Eigentumsbildung in Unternehmerhand radikal abzubauen, auf das sich nur "makellose" und unverfälschte Markteinkommen bilden können? Schwach ist auch der Trost, die Arbeitnehmer sollten durch persönliche Sparentschlüsse nach marktwirtschaftlichem Eigentum trachten. Mit marktwirtschaftlichen Mitteln sind bei den herrschenden Gruppeneinflüssen die aus Verletzungen der marktwirtschaftlichen Prinzipien entstandenen Fehlentwicklungen der deutschen Vermögens- und Eigentumsstruktur schwerlich zu beseitigen. Auch der Blanksche Reformentwurf wird kaum zu einer durchgreifenden Strukturänderung der Vermögensbildung führen; dazu ist er schon im Ansatz viel zu bescheiden und vorsichtig. Aber es wäre wenigstens eine erste Willenskundgebung, daß Sünden der Vergangenheit wiedergutgemacht werden sollen. Sigmund Chabrowski