Auch Aktien ohne Substanz?

Kürzlich war in einem "Gespräch am Bankschalter" die Rede davon, daß man beim Aufbau eines Wertpapierportefeuilles darauf achten müsse, Aktien mit Substanzbindung zu besitzen, jedenfalls dann, wenn der Anteil der festverzinslichen Werte am Depot relativ hoch ist. Nun meine Frage: Sind denn nicht alle Aktien substanzgebunden? Ich meine, daß Aktien doch immer einen Anteil am jeweiligen Vermögen einer Gesellschaft bedeuten. Als Aktionär bin ich doch sozusagen Mitbesitzer des Unternehmens.

Z. O., Karlsruhe.

Antwort: Die Substanz eines Unternehmens, wenn wir darunter den Grundbesitz, die Gebäude, die Maschinen und sonstigen Anlagen (auch Schiffe) verstehen wollen, ist von Fall zu Fall und von Branche zu Branche verschieden groß. Der Wert der Substanz ist von dem Laien nur schwer zu ermitteln, selbst der Sachverständige kann nicht sagen, wie hoch der tatsächliche Wert des Anlagevermögens ist. Aber das nur nebenbei.

Es gibt Gesellschaften mit einem äußerst geringen Anlagevermögen, also mit äußerst geringer Substanz. Ein Musterbeispiel hierfür sind die Hypothekenbanken, die meist nur über ein eigenes Bankgebäude verfügen, sonst aber keine Substanz im landläufigen Sinne besitzen. Auf der Aktiv-Seite ihrer Bilanz befinden sich lediglich die Hypothekenforderungen, also Forderungen, die in der Vergangenheit 10:1 zusammengelegt worden sind. Sie sind keine Substanz. Bei den Aktien der Geschäftsbanken ist die Lage etwas anders. Auch sie haben Geldforderungen, aber sie haben sich nach dem Kriege wieder ein wertvolles Beteiligungsportefeuille geschaffen, eine mittelbare Substanz. Die Aktien der Versicherungsgesellschaften können auch nicht als Papiere mit großer Substanz gelten. Zwar verfügen diese Unternehmen in der Regel über einen wertvollen Grundbesitz, über viele Gebäude, über Aktien, aber auch über Hypothekenforderungen, festverzinsliche Werte und Schuldscheindarlehen (nach den Erfahrungen der letzten Währungsreform also abwertungsempfindliche Vermögensteile). Diese wenigen Beispiele zeigen, daß bei den Aktiengesellschaften Substanz in durchaus unterschiedlicher Höhe vorhanden ist.