]R. S., Bonn

Versunken und vergessen" – das ist bekanntlich des Sängers Fluch. Genau das Gegenteil davon ist des Schäffers, unseres Bundesjustizministers, Fluch. Sicher hat der Minister nicht geahnt, was ihm zugleich mit der Treuhänderschaft für die Länder in der "Deutschland Fernsehen GmbH" noch alles aufgeladen würde.

Ganze Berge von Briefen und Telegrammen treffen täglich im Bundesjustizministerium ein. Etwa mit der Anschrift: "Deutschland Fernsehen GmbH des Herrn Schäffer." Da fragt eine junge Sängerin, ob ihr "der neue Fernsehsender des Bundesjustizministers" die lang ersehnte Chance bringen werde – und wann sie "Herrn Schäffer einmal vorsingen" dürfe. Bühnenbildner, Spielleiter, Ansagerinnen, die natürlich nicht vergessen, auf ihre Schönheit und Jugend hinzuweisen, erklären sich bereit, nach Bonn zur Vorstellung zu kommen, aber "natürlich auch an jeden anderen Ort".

Die Telephonistinnen und Sekretärinnen im Bundesjustizministerium können sich der Flut der Petitionen kaum noch erwehren. An Selbstbewußtsein fehlt es den meisten Antragstellern nicht. "Wenn Sie mich anstellen schreibt einer, "werden wir endlich ein gutes Programm machen können."

Einige Bewerber und Bewerberinnen betonen mehr die geschäftliche Seite. Sie möchten Schäffer Fernsehanteile abkaufen. "Ich bin gerade flüssig", schreibt ein kaufmännischer Angestellter aus Süddeutschland. Ein anderer: "Ich könnte etwa 3000 DM locker machen. Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie interessiert sind." Wieder ein anderer möchte Fernsehanteile abnehmen, wenn Schäffer "Ansprüche aus dem Lastenausgleich in Zahlung nimmt".

Der listige Schäffer, hier vielleicht nicht ganz ohne Rachsucht, gab die Anweisung, daß der ganze Wust "zuständigkeitshalber" in das Bundeskanzleramt zu Händen von Herrn Ministerialdirektor Dr. Merker weitergeleitet werde, der ja bekanntlich gleich nach der Gründung der GmbH zu deren vorläufigem Geschäftsführer gemacht wurde.