Manche christlichen Schriftsteller vertreten die Auffassung, daß Wissenschaft und Theologie nicht notwendig in Konflikt miteinander stehen. Ich muß widersprechen. Wissenschaft und Religion stehen allerdings nicht notwendig in Widerspruch; für einen darwinistischen Humanisten wie mich ist die Religion ein Naturphänomen, das wissenschaftlich untersucht werden kann. Aber Wissenschaft und Theologie — das ist eine ganz andere Sache. Mit Theologie meine ich die christliche Theologie: ein Denksystem, aufgebaut auf dem Glauben an einen persönlichen Gott, an die Unsterblichkeit der der den Menschen von den Folgen des Sündenfalls erlöst. Mit Wissenschaft meine ich die Erkenntnisse, die auf Grund wissenschaftlichen Vorgehens gewonnen werden: öffentlich registrierte Beobachtungen, Zwischen Wissenschaft und christlicher Theologie besteht ein sehr handfeste- "$ iderspruch. Er ist ein Teil des umfassenderen Konflikts zwischen zwei mächtigen Denksystemen, die beide den Geist des Menschen beanspruchen— dem dualistischen Supernaturalismus und dem monistischen Naturalismus. Diese beiden radikal verschiedenen Denksysteme stehen miteinander im Wettbewerb; eines ist bestimmt, das andere zu ersetzen.

Im ersten System ist das Universum und seine Entwicklung einem zentralen und ewigen Gott untergeordnet; es ist, so heißt es, von göttlichem Wirken hervorgebracht oder abhängig. Im zweiten System sind Götter periphere, von der Evolution hervorgebrachte Phänomene. In modernen, gottbezogenen Systemen sollen die Menschen eine monistische und unsterbliche geistige Wesenheit oder Seele besitzen, die befähigt ist, auch außerhalb des Körpers zu existieren; im Evolutionismus werden die geistigen Fähigkeiten des Menschen als ein Teil des geistigen Aspekts oder des "inneren Gesichts" des menschlichen Organismus begriffen , Die christliche Theologie ist ein durch und durch organisiertes Gebäude, das auf der Kombination einer komplizierten Gottestheorie mit einer untergeordneten, aber ebenso komplizierten Seelentheorie beruht. Sie kann sich nur innerhalb gewisser Grenzen entwickeln: die feststehenden Postulate der ihr zugrunde liegenden Gottestheprie setzen ihrer Anwendbarkeit Grenzen, während ihre Möglichkeiten einer Selbstkorrektur dadurch beschränkt sind, daß sie, sich auf die Autorität göttlichen Eingreifens und göttlicher Offenbarung verläßt. Der Humanismus dagegen verschafft sich die hochorganisierte theoretische Grundlage in Form einer umfassenden Theorie der gesamten Evolution. Er ist ein offenes System, unbegrenzter Entwicklung fähig: sein einziges Postulat ist ein uneingeschränkter Naturalismus, so daß alle Phänomene Wasser auf seine Mühle sind. Da er wissenschaftlich vorgeht, korrigiert er sich automatisch von allein.

Die Kontroverse zwischen Huxley und Wilberdes biologischen Entwicklungsgedankens über den Glauben an eine persönliche Schöpfung. Heute liegt die gesamte Gottestheorie mit der erweiterten Entwicklungslehre in Wettstreit, und ihr Welt- uid Menschenbild steht im Begriff, vom Evolutionsdenken verdrängt zu werden. Im folgenden werde ich versuchen, diese Behauptung zu rechtfertigen. Zunächst erinnere man sich, daß Gott eine Hypowahr. Die Gotthypothese versucht, eine Reihe von Phänomenen durch das Postulat eines persönlichen, übernatürlichen Wesens — oder mehrerer übernatürlicher Wesen — zu erklären; dieses Wesen wäre imstande, auf die Natur und das Leben des Menschen einzuwirken, [m Laufe von Jahrtausenden hat sie sich zu einer Vielzahl von komplexen und oft rivalisierenden Theorien entwickelt, deren eine Gruppe die christlüe Theologie darstellt.

Auch die Evolution var ursprünglich eine Hypothese. Aber im Laufe eines Jahrhunderts hat sie sich nicht nur zu einem umfassenden Gedankengerüst entwickelt — sie ist als Tatsache bestätigt worden.

Die Seele ist gleichfalls ebenso das Atom. Aber während aus der Atomhypothese inzwischen die Atomtheorie mit ihrem hohen Voraussagewert und ihrer praktischen Anwendbarkeit geworden ist, versagt die Seelenhypothese (die scholastische Theologen zur Würde einer regelrechten Theorie erhoben haben) in zunehmendem Maße, wenn es gilt, psychologische und neurologische Tatbestände zu erklären: Die Seele als Wesenheit ist im Verschwinden begriffen.

Ich muß nunmehr den kürzestmöglichen Überblick über jene Erkenntnisse der erweiterten Evolutionstheorie geben, die mit der Theologie unvereinbar sind.

Zunächst die "Schöpschaftler, daß die Welt ursprüngin muß, und daß dies die Existenz jottes voraussetzt. Ein trügerisches ige Existenz ist genauso wahrscheinahrscheinlich!) wie eine einmalige alle Zeiten.