Erika Müller: "Das verruchte Leben", ZEIT Nr. 31

In der Besprechung des Fellini-Films "La dolce vita" (Das süße Leben) fragt Erika Müller: "Wer mag Federico Fellini dazu gebracht haben, die deutsche Fassung mit dem schwülstigen und anpreisenden Text einzuleiten." Auf diese Frage möchte ich kurz antworten: Die Idee zu einem solchen Vorspann für die deutsche Fassung des Films kam uns während einer Aufführung des italienischen Originals im Studio der kirchlichen Hauptstelle für Bild und Film. An dieser Vorführung am 5. April nahmen Herr Fellini, der vorgesehene Synchronisator, der Pressechef des Gloria-Verleihes sowie der Vorsitzende der kirchlichen Hauptstelle für Bild und Film und Mitglieder der katholischen Filmkommission für Deutschland teil. Herr Fellini selbst hatte darum gebeten, uns seinen Film vorzuführen. In der Diskussion bedauerte Herr Fellini den Skandal und die Skandälchen, die sein Film in weiten Kreisen Italiens erregt habe und versicherte, es sei keineswegs seine Absicht gewesen, eine "chronique scandaleuse" der römischen Aristokratie oder anderer Kreise Roms zu liefern, sondern er habe diese Kreise paradigmatisch für die Lebensauffassung und den Lebensstil der heutigen Gesellschaft darstellen wollen. Der terminus "dolce" sei durchaus ironisch zu verstehen, und die Intention seines Filmes läge darin, dem Zuschauer zu zeigen, daß hinter dem "süßen Leben" eine Leere spürbar werde, die gerade jene um so schärfer erführen, die die Mittel besäßen, dieses "süße Leben" bis auf seine Neige auszukosten.

Um zu vermeiden, daß sich die deutschen Zuschauer bloß an die vordergründigen Ereignisse hielten, entstand der Vorschlag für den oben zitierten Vorspann. Ich gebe gern zu, daß er in der deutschen Übersetzung leicht pathetisch klingt, aber ich glaube, daß Herr Fellini die "biblischen Eingangsworte", wie Erika Müller den Text gar nicht so unpassend umschreibt, durchaus ernst gemeint hat. Die Tatsache, daß viele Besucher den Film dennoch als eine reine "chronique scandaleuse" nahmen, scheint mir die Berechtigung eines solchen Textes zu erweisen. Dem Massenmedium Film entspricht nun einmal ein Publikum, bildungsmäßig und charakterlich sehr heterogen zusammengesetzt. Wenn einem solchen Publikum Filme vorgesetzt werden, von denen Regisseur und Produzent annehmen müssen, daß die Mehrzahl des Publikums kaum fähig sein dürfte, die Intention zu verstehen, scheint es mir immer noch besser, durch einen gezielten Vorspann jene Intention auszusprechen, als die Mehrheit des Publikums mit falschen Eindrücken aus dem Kino zu entlassen. Anselm Hertz,

Mitglied der katholischen Filmkommission für Deutschland, Köln

Der Wunsch der Tania Blixen

Leserbrief von E. Kurz/K. E. Felten: "Einbruch in Autorenreservate", ZEIT Nr. 26

Wir waren sehr erstaunt über die Zuschrift der Herren Kurz und Felten der Deutschen Verlagsanstalt. Wir haben die Baronin Blixen sofort informiert und ebenfalls ihre Agentin, die unser. Vertragspartnerin ist.