Festverzinsliche kommen ins Geschäft

An der Börse ist man bemüht, "die Zukunft vorwegzunehmen". Das führt zwangsläufig zu Spekulationen – die nicht immer in Erfüllung zu gehen brauchen. In dieser Beziehung ist eine neue Variante aufgetaucht. Sie kann für den gesamten Wertpapiermarkt von großer Bedeutung werden. Es handelt sich um die Zinsspekulation. Immer mehr setzt sich die Ansicht durch, daß die Restriktionspolitik des Zentralbankrates ihren Höhepunkt nunmehr erreicht hat. Die bevorstehende Abschöpfung von 1 Mrd. DM aus dem Bankenbereich über das Bundesanleihekonsortium scheint der letzte Akt dieser Periode zu sein.

Inzwischen zeigt sich nämlich der Pferdefuß der harten Konjunkturbändigung, und zwar dort, wo er politisch kaum tragbar ist, nämlich bei der Wohnungsbaufinanzierung. Nun – so meint man an der Börse – dürfte es keine Regierung vor entscheidenden Wahlen sonderlich gern haben, wenn der Wohnungsbau gedrosselt und damit der Opposition Munition geliefert wird. Die Regierung wird, und dafür spricht einiges, für lockere Kreditzügel eintreten. Da außerdem zum Herbst der Geldmarkt saisonal (Erntefinanzierung, Lagerfinanzierung für das Weihnachtsgeschäft) ohnehin angespannt ist, bedarf es kaum weiterer Beschneidungen durch die Notenbank. Deshalb spekuliert man eher auf eine Diskontsenkung als auf eine Diskonterhöhung.

Nutznießer der sich immer mehr verbreitende Ansicht, daß der Zins in der Bundesrepublik nicht mehr weiter steigen wird, ist der Rentenmarkt. Die höher verzinslichen Titel sind gefragt, und man ist auch bereit, höhere Kurse zu bewilligen. Natürlich herrscht bei den festverzinslichen Papieren keine Hausse, dazu fehlt es an handfesten Beweisen für eine eventuelle Zinsumkehr. Aber die seit Monaten anhaltende Lustlosigkeit ist vergangen.

Niemand wird jedoch ein allgemeines Umsteigen von den Aktien in die Renten erwarten. Es kann aber damit gerechnet werden, daß der Anteil der Renten an den gut gemischten Portefeuilles wieder etwas verstärkt werden wird. Das Aktiengeschäft ist bereits ruhiger geworden. Gekauft wird nicht mehr, was angeboten ist, sondern die Auswahl wird sorgfältiger getroffen. Dennoch hat sich die Spekulation ein weites Feld reserviert. Einen großen Raum nehmen noch immer die Automobilwerte ein, bei denen die Nachfrage durch die Opel-Bilanz erneut angefacht worden ist. Bei Opel sieht auch der Laie, was in der Automobilindustrie verdient werden kann. Er zieht daraus den nicht einmal grundsätzlich falschen Schluß, daß auch andere Kraftwagenhersteller ähnliche Oberschüsse erzielt haben müssen wie das Rüsselsheimer Werk. So ist der Wiederanstieg der Daimler-Aktien auf über 6 900 vH zu erklären und auch die Festigkeit des NSU-Kurses.

Im Schatten der zwar ruhigen, aber nichtsdestoweniger freundlichen Börsenentwicklung liegen wieder einmal die Montan-Aktien, obwohl die Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie in der Lage sein müßten, für 1960 rund 2 vH Dividende mehr zu zahlen als vorher. Wenn der Montanaktien-Markt dennoch so überaus schwerfällig reagiert, dann liegt dies zweifelsohne an den schlecht placierten jungen Aktien einiger Konzerne, die – vergleicht man sie mit den Kursen für die "alten" Aktien – weit unter Preis offeriert werden. So etwas stört natürlich, denn wer wird nicht mißtrauisch, wenn etwas unter dem regulären Preis angeboten wird? Für den langfristigen Anleger scheint dieser Zustand allerdings günstige Chancen zu bieten.

In der Tendenz der deutschen Börsen machte sich zeitweise die Schwäche der Wall Street bemerkbar. Wenn auch die New Yorker Börse ihre tendenzangebende Funktion in der Welt im Augenblick eingebüßt hat, so wird man die Entwicklung dort nicht aus dem Auge lassen dürfen. Deshalb sucht man in der Bundesrepublik Antwort auf zwei Fragen: Was wird mit den deutschen Kursen geschehen, wenn New York weiter schwach bleiben wird? Was passiert, wenn es in Wall Street eines Tages zu einer Hausse kommen sollte? Auch hier können die Antworten nur spekulativ sein. Das internationale Kapital kann sich bei einer anhaltenden Stagnation der Wall Street-Kurse dort weiter zurückziehen und bessere Chancen in Europa suchen, aber ebensogut kann das gesamte internationale Börsengeschäft dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Denkbar ist ferner, daß niedrige US-Kurse zu einem Umsteigen in amerikanische Werte (und Aussteigen aus Europa-Aktien) reizen. Andererseits kann eine Hausse in Wall Street das Börsenklima in aller Welt bessern und weitere Käufe deutscher Aktien zur Folge haben. Die Meinungen der Haussiers und Baissiers prallen in dieser Frage hart aufeinander. Wer recht bekommt, wird man erst später sehen können.

Kurt Wendt

Festverzinsliche kommen ins Geschäft

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Bei der Mannheimer Lebensversicherungs-Gesellschaft AG (Mannheim) erhöhte sich der Versicherungsbestand 1959 auf 330 (293) Mill. DM, die Beitragseinnahmen auf 15,4 (14,2) Mill. DM. Der Rückstellung für Beitragsrückerstattung wurden rund 2.1 (1,8) Mill. DM zugeführt; sie erhöht sich dadurch auf rund 7,1 Mill. DM. Einige Positionen innerhalb der Gewinnverbände konnten erhöht werden. Im laufenden Geschäftsjahr war der Neuzugang abermals höher als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Hauptversammlung wurde eine auf 12 (i. V. 10) Prozent erhöhte Dividende auf das eingezahlte Grundkapital (nom. 1 Mill. DM) vorgeschlagen. Großaktionär ist die Mannheimer Versicherungsgesellschaft (Mannheim),