Rom als faszinierender Wirrwarr

Man müßte meinen, über Rom sei genug geschrieben worden. Berichte über Peterskirche. Katakomben, Trevi-Brunnen, über die Via Appia und anderes füllen schon ganze Bibliotheken. Was gäbe es da – so fragt man sich – noch Neues zu erzählen?

Dennoch: Wolf gang Koeppen wagte es, dem Phänomen dieser einzigartigen Stadt nachzuspürer – und sein "Neuer römischer Cicerone", von: Süddeutschen Rundfunk gesendet, wurde ein funkelndes Mosaik, das bei der Betrachtung des Schaubildes Rom unentbehrlich ist. Da wimmelt es vor überraschenden Details. Die Sehenswürdigkeiten erhalten durch die enge Verbindung zur oft gegensätzlichen Umgebung eine neue, vielleicht auch unrichtige Deutung. Was tut’s, die "Ewige Stadt" ist ein aufregendes Abenteuer, das jeder auf seine Weise erleben muß.

Koeppen durchstreift Plätze und Straßen mit wachen Augen. Er steht über den pausenlosen Eindrücken und läßt sich durch die wechselhafte Vielfalt nicht verwirren. Alles wird erfaßt und gesichtet. Doch eigentümlich, nichts wirft ihn auf die Knie, nie bezwingt ihn atemlose Ehrfurcht. Es scheint, daß ihn der Hauch des Uralten, der mächtigen Tradition nicht erschüttert. Jeden Schnörkel vermerkt er und übersieht keinen Makel. Und dennoch verrät sein nie besinnungsloses Registriervermögen die Liebe zu diesem reizenden Bernhard Minetti spricht in Sinne Koeppens – ein wenig lässig und ein bißchen respektlos.

Leider lähmten die ungewöhnliche Länge der Sendung – fünf Viertelstunden – und die überquellende Fülle von Einzelheiten allmählich die Aufmerksamkeit. Schade, denn eigentlich wollte man sich keines dieser charmanten, geistreichen glitzernden Mosaiksteinchen entgehen lassen. Helmut Kauer

Seltsame Streiche mit Heinrich VIII

Wie wenig gut die Schriftsteller daran tun, ihr gedankliches Korsett von den Philosopher zu beziehen, belegt musterbeispielhaft Hermann Gressiekers Schauspiel "Heinrich der Achte und seine Frauen" (Hörspielfassung Radio Bremen) Heinrich VIII., dessen Hader mit dem Papst in einer Ehescheidungsfrage zum Abfall der englischer Kirche von Rom geführt hat, wird Gressieker zur Modellfall, an dem er das thomistische Gedankengebäude einer Philosophia entis konkretisierer will.

Aber genau das Moment des Konkreten ist es das hier dem auf Abstraktion bedachten philosophischen Denken Fußangeln legt. Und umgekehrt. Das Moment des Abstrakten ist es, das dem auf Konkretisierung bedachten dichterischen Russen seltsame Streiche spielt. Ein in jeder Richtung unbefriedigendes Ergebnis. Und außerdem: Das Geschichtliche erscheint bei Gressieker in entscheidenden Passagen frisiert – oft durch Weglassen – beraubt um den weltpolitischen Hintergrund. Die auf das Menschliche verengte Welt der Geschichte wird gleichzeitig ins Überzeitliche, Ewige transzendiert, aber unter erheblichen dramaturgischer Lähmungserscheinungen. Heinrich, der als Faktoi der Geschichte zumindest einen nennenswerter Faktor dargestellt hat, wird als Faktor dieser Geschichte zum reinen Popanz. Das erleichtert zwar die lehrhafte Tendenz der dargestellten Meinung zersetzt aber von vornherein jede Chance zu einer ernsthaften Dialektik. Da vermißt man die Anstrengung jenes Denkens, das es mit Gegnern zu tun hat, weil alles Denken hier nur die Demonstration eines übernommenen Denkmodells ist Die Unproblematik der Konzeption wird nicht zuletzt von der leichten Mühe bewiesen, die der Funk mit diesem typischen Werk des Theaters hatte dree