Jahrzehntelang galt für die internationale Ölwirtschaft das Wort: "Man findet das Öl dort, wo man es nicht braucht, und man braucht es dort, wo man es nicht findet!" Die große Ausnahme von dieser Regel waren von Anfang an die USA, die sowohl in der Erzeugung wie im Verbrauch von Rohöl in der Welt an erster Stelle stehen und standen. Aber für die anderen großen Industrieländer der Welt, insbesondere England, Japan, Frankreich, Deutschland und Italien, gal: dieser Satz mindestens bis zum zweiten Weltkrieg ziemlich uneingeschränkt, in den letzten Jahren ist es nun allerdings den Deutschen, Franzosen und Italienern gelungen, ihren Bedarf an Rohöl wenigstens teilweise im eigenen Lande zu decken – Großbritannien dagegen nur in ganz unbedeutendem Ausmaß. Auch Japan ist es bisher trotz größter Anstrengung nicht gelungen, bedeutende Ölquellen innerhalb seiner Landesgrenzen zu erschließen.

Wenn der japanische Minister für Handel und Industrie trotzdem vor kurzem bekanntgeben konnte, daß Japan bereits im Jahre 1965 rund die Hälfte seines Verbrauchs von Rohöl aus eigener Produktion zu decken hoffe, so ist das nicht so zu verstehen, als ob in letzter Zeit reiche Ölquellen in Japan zu sprudeln begonnen hätten. Vielmehr handelt es sich dabei um einen eindrucksvollen Erfolg, den die Japaner in dem gelobten Land aller Ölsucher, nämlich im Nahen Oster erzielt haben.

Bahnbrecher dieser friedlichen japanischen Invasion in einen Wirtschaftszweig, der bisher so gut wie ganz westlichen Gesellschaften vorbehalten war, ist der Tokioer Geschäftsmann Taro Yamashita, auch "Mandchu Taro" genannt, der in seinem Lande einen der größten und vielschichtigsten Konzerne leitet. Yamashita, dessen Aufstieg nach dem ersten Weltkrieg begann, erwarb sich diesen Spitznamen in der Zeit der großen japanischen Eroberungen vor und während des zweiten Weltkrieges, als er in der damaligen Mandschurei zahlreiche Industriebetriebe und Handelsgesellschaften gründete.

Als Yamashita, der vor etwa drei Jahren seinen zahlreichen sonstigen Unternehmungen eine Ölimportgesellschaft (The Japanese Oil Trading Company) angegliedert hatte, begehrliche Augen auf das Ölhauptgebiet der Welt am Persischen Golf zu werfen begann, mußte er zu seinem Leidwesen feststellen, daß so ziemlich das ganze Gebiet rund um den Golf in festen Händen war.

In Saudi-Arabien saßen die Amerikaner (Aramco); im benachbarten Kuwait teilten sich Amerikaner (Gulf Corporation) und Engländer (British Petroleum Company) in das große Geschäft; internationale Konsortien beherrschten das Feld im Irak und Iran und übten einen maßgebenden Einfluß auch auf die kleinen Scheichtümer am südlichen Ende des Golfes aus. Nirgends gab es für den Außenseiter auch nur die geringste Möglichkeit, für sich ein Zipfelchen der weiten, ölträchtigen Wüste zu ergattern.

Aber, so sagte sich Yamashita, in festen Händen ist eben nur das Land. Unverteilt waren zu dieser Zeit jedoch die reichen Ölschätze, die vermutlich noch unter dem Wasserspiegel des Persischen Golfes liegen mochten. Zwar hatten sich die internationalen Ölgesellschaften, welche die Randgebiete des Golfes mit einem engmaschigen Netz von Konzessionsverträgen überzogen hatten, auch in den traditionellen Hoheitsgewässern, d. h. bis zur Drei-Meilen-Grenze, Schürfrechte gesichert; aber der größte Teil des Golfes galt damals noch als internationales Gebiet.

In diesem "Niemandswasser" beschloß nun Yamashita sein Glück zu versuchen, wie es um die gleiche Zeit auch der italienische "Ölkönig" Enrigo Mattei tat.