Fast wäre nun auch noch zwischen der kongolesischen Regierung und der UNO eine ernsthafte Fehde ausgebrochen – das wäre dann wirklich ein Krieg aller gegen alle gewesen, dem nicht einmal mehr das Schwarz-Weiß-Schema zu Grunde gelegen hätte.

Jetzt aber ist es Hammarskjölds unnachahmlicher Verhandlungskunst gelungen, Belgier, Kongolesen und Katangesen davon zu überzeugen, daß es das beste ist, wenn UN-Truppen (allerdings nur Weiße) auch in Katanga einmarschieren und die belgischen Truppen ablösen Zur Vorbereitung der Übernahme der UN-Kontrolle fliegt der stellvertretende UN-Generalsekretär Bunche am’Freitag nach Katanga.

Auf diese Weise gibt es nun wieder ein gemeinsames Ordnungselement für das ganze Gebiet und so müßte es möglich sein, mit der Zeit auch eine staatsrechtliche Lösung zu finden, die für Lumumba wie für Tschombe akzeptabel ist. Denn beide wissen, daß sie Konzessionen machen müssen: Lumumba, weil sein Staat schon heute pleite ist und Tschombe die Kasse hat; Tschombe, weil er einsehen mußte, daß eine "selbstgestrickte" Souveränität, die kein anderer anerkennt, wenig nützt. Zumal wenn ein Parlament sie beschloß, das eigentlich gar nicht beschlußfähig war, weil nicht einmal die Hälfte seiner Mitglieder anwesend war, als der Beschluß zur Absplitterung gefaßt wurde. D.