J. B., Wien, Anfang August

Durch die internationale Presse laufen geradezu tolldreiste Geschichten über deutsche Investitionen in Österreich. Man hört von Grundstückkaufen im Grenzgebiet, von Fabrikbauten und Einrichtungen von Zweigniederlassungen und anderem mehr. Die Kommentare besagen teils, daß es sich dabei um die Auslandsveranlagung von Geldern handle, die nicht unbedingt eine Konfrontierung mit dem heimischen Finanzamt ertragen; teils, daß deutsche Unternehmer auf diese Weise Positionen im EFTA-Bereich aufbauen wollen. Vom wahrscheinlichen Motiv – der Belieferung des österreichischen Marktes – ist seiten die Rede.

Die Berichte sind meist maßlos übertrieben. Eine deutsche Statistik stellt fest, daß Kapitalgeber aus der Bundesrepublik 1957 für 2,5 Mill. Dollar und 1958 für 3,5 Mill. Dollar Niederlassungen, Beteiligungen und industriellen Grundbesitz in Österreich erworben haben. Diese Zahl wird mittelbar durch neueste Angaben des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung bestätigt, wonach die gesamten ausländischen Direktinvestitionen in Österreich jährlich rund 10 Mill. Dollar betragen. Das ist nicht mehr als rund 1 vH der privaten österreichischen Bruttoinvestitionen.

Die Freude ausländischer Kapitalisten an Investitionen in Österreich ist überdies erst seit dem Übergang zur Konvertibilität Anfang 1959 wirklich ungetrübt. Die Motive für die Auslandsinvestitionen wurden schon angedeutet. Man kann den österreichischen Markt zollfrei beliefern und sich zugleich des österreichischen Zollschutzes gegenüber anderen ausländischen Konkurrenten erfreuen. Aber der Großeinsatz stößt bald auf die Grenzen des österreichischen Arbeitsmarktes.

Das österreichische Institut für Wirtschaftsforschung untersuchte auch die Einstellung der Wirtschaftspolitiker zu den ausländischen Gründungen und Beteiligungen. Als Vorteile wertet man die Vergrößerung des Investitionsvolumens, den Einsatz weltweiter Erfahrungen, die Förderung des Wettbewerbes und eine Milderung der Anpassungsschwierigkeiten im Zuge der Integration.

Was die deutschen Investoren betrifft, so findet man es bemerkenswert, daß ohne Ressentiments wegen der Behandlung des deutschen Eigentums in der Nachkriegszeit doch mit frohem kommerziellem Mut eine neue Zusammenarbeit einsetzt. Bei Investitionen im Grenzgebiet können überdies bisher in der Bundesrepublik beschäftigte österreichische Arbeiter nun dank der neuen Betriebsstätten deutscher Unternehmer wieder in Österreich selbst arbeiten.