Die FDP-Bundestagsfraktion hat durch den Tod Dr. Max Beckers einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Abgeordnete gehörte zu den profiliertesten Politikern seiner Partei. Er wurzelte tief in der Tradition des Liberalismus, und er machte nie ein Hehl aus seiner Überzeugung. Max Becker wurde der breiten Öffentlichkeit durch seine Rede in der Saar-Debatte des Jahres 1955 bekannt, in der er sich leidenschaftlich gegen die vom Bundeskanzler geforderte Annahme des Saar-Statuts wandte.

Becker – Rechtsanwalt und Notar von Beruf – betrachtete die Dinge als nüchterner Jurist, aber er formulierte seine Gedanken oft mit gewinnendem Charme. Er war sich immer seiner Grenzen bewußt und ließ sich nie durch Eitelkeit verleiten, um Ämter oder Aufgaben zu buhlen, die ihm nicht angeboten wurden. Als Mitglied des Europa-Rates wirkte er als überzeugter Freund der europäischen Einigung und gewann vor allen bei Franzosen und Belgiern viele Freunde. Der Bundestag, dem er mehrere Jahre als einer seiner Vizepräsidenten angehörte, verliert in ihm einen Politiker von beherrschten Leidenschaft und unbeirrbarer Integrität. R.S.