Wenn das Jahr 1960 ausläuft, dann geht für Amerika auch eine politische Phase zu Ende, die dem vergangenen Jahrzehnt das Gesicht gegeben hat: die Eisenhower-Ära. Es folgt dem alten Generalspräsidenten ein neuer Mann, es folgen ihm aber vor allem eine neue Generation und ganz gewiß eine neue Epoche der amerikanischen Politik.

Zwei Kandidaten warten auf den Stufen des Thrones. Sie werden sich während der nächsten Monate einen harten Kampf um das höchste und mächtigste Amt der westlichen Welt liefern – eine Wahlschlacht, die in ihrer Mischung aus vehementem Temperament und kalkulierender Taktik wohl alle bisherigen Präsidentschaftskampagnen in den Schatten stellen wird. Sieht man auf Eisenhover, oder auf Truman, den anderen Nachkriegs-Präsidenten, und blickt sodann auf jene beiden Männer, von denen einer ins Weiße Haus einziehen wird, dann wird verblüffend deutlich, wieviel Gemeinsames die beiden "Neuen" haben, John Fitzgerald Kennedy und Richard Milhous Nixon.

Es ist leicht nachzurechnen, daß beim Ende des Zweiten Weltkrieges (den übrigens beide als Seeoffiziere im Pazifik erlebten) Nixon gerade 32, Kennedy sogar erst 28 Jahre alt war. Der eine wie der andere sammelte seine politischen Kenntnisse in der Nachkriegszeit. Es sind genau vierzehn Jahre, die beide im Dienste der Öffentlichkeit gestanden haben: zunächst als Abgeordnete, dann als Senatoren (und Nixon schließlich noch als Vizepräsident).

An Erfahrungen also haben die beiden – sieht man von den offiziellen Auslandsreisen Nixons ab – einander nicht viel voraus. Und keiner verfügt über das väterliche Prestige und die gewinnende Wärme Eisenhowers. So wird jeder von ihnen die Öffentlichkeit mit Argumenten davon zu überzeugen haben, daß er allein der geeignete, richtig vorbereitete und sinnvoll planende Nachfolger für das Präsidentenamt ist.

Nixon und Kennedy werden sich im Wahlkampf nichts schenken. Beide sind zähe Kämpfer, kühle politische Rechner, und beide verstehen sich auf die Kunst, die Mechanismen politischer Organisation souverän zu handhaben. Jener charakteristische Ausspruch, den Nixon unlängst tat – er könnte genauso gut von Kennedy stammen: "Zornausbrüche gestatte ich mir nur, wenn sie bewußt gelenkt sind und zeitlich richtig fallen."

Wer auch das Rennen machen wird, schon jetzt steht so viel fest: Zum ersten Male seit mehr als fünfzig Jahren wird im Januar ein Präsident ins Weiße Haus einziehen, der noch keine fünfzig Jahre alt ist. H. G.

Aufnahmen: AP (6), Black Star (2), dpa, Keystone, Look Magazine.