Die deutsche Automobilindustrie erhöhte im vergangenen Jahr ihre Produktion von 1,49 Millionen auf 1,71 Millionen Fahrzeuge. Die Zunahme betrug damit fast 15 vH. Adam Opel AG. Rüsselsheim, vermochte ebenfalls seine Produktion zu erhöhen, allerdings nur um knapp 5 vH. Der Opel-Anteil an der westdeutschen Automobilproduktion ist damit, obwohl in Rüsselsheim mit vollausgelasteten Kapazitäten gearbeitet wurde, von 21,2 vH im Jahre 1958 auf 19,3 vH zurückgegangen. Der Grund hierfür ist, daß sich bei Opel ein großes Erweiterungsprogramm bereits 1958 voll auswirkte, bei anderen deutschen Kraftfahrzeugherstellern war dies erst im vergangenen Jahr der Fall.

Auf der Pressekonferenz anläßlich der Vorlage der Bilanz erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzer de Wolff, daß Opel auch für die Zukunft wesentlich gesteigerte Absatzmöglichkeiten sieht, denen mit den gegenwärtigen Kapazitäten nicht entsprochen werden kann. Das Rüsselsheimer Werk wird deshalb weiter ausgebaut. 1959 wurden dort 150 Mill. DM investiert. Die Produktion konnte gesteigert werden. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich 1275 Wagen pro Tag produziert. Im letzten Quartal waren es bereits 1321 Wagen. Wenn alle laufenden Investitionen durchgeführt sind, wird die Tageskapazität des Rüsselheimer Werkes 1600 Einheiten betragen. Das sind 450 000 Fahrzeuge im Jahr. Damit ist eine optimale Leistung erreicht, die sich ohne Beeinträchtigung der Wirtschaftlichkeit nicht mehr steigern lassen wird. Das zur Verfügung stehende Rüsselheimer Gelände ist bereits voll ausgenutzt. Vor allem aber werden die notwendigen Arbeiter, die für eine weitere Produktionssteigerung eingesetzt werden müßten, im Rüsselsheimer Raum nicht mehr zu erhalten sein. Ende 1959 standen 33 697 Arbeiter und Angestellte in den Diensten der Firma. Weitere 4000 möchte man noch gewinnen. Ob man sie erhalten wird, ist keineswegs sicher.

Die wichtigste Standortvoraussetzung für eine neue Fabrik ist ein Arbeitsmarkt, der noch Menschen hergibt. Er ist bei Vollbeschäftigung im ganzen Land nur dort zu finden, wo man damit rechnen kann, daß die ansässigen Industrien in den kommenden Jahren Arbeiter freigeben. Vom westfälischen Kohlenrevier wird das erwartet. So ist man in Rüsselsheim zu dem Entschluß gekommen, in Bochum ein neues Werk zu bauen, und zwar in der Erwartung, daß es leichter sein wird, dort die ab 1963 erforderlichen 6000 bis 7000 Arbeitskräfte zu gewinnen, als die 4000, die man noch in Rüsselsheim haben möchte.

Nun braucht man zum Bau eines neuen Werkes nicht nur Menschen, sondern auch Kapital. Finanzieren ist auch heute noch eine Kunst, die man aber offensichtlich in der Automobilindustrie beherrscht. Die Selbstfinanzierungskraft ist dort, so auch die der Opel-Werke, bemerkenswert. Der Gewinn des Jahres 1959 betrug über 200 Mill. DM. Rechnet man den Vortrag aus 1958 hinzu, dann sind es über 320 Mill. DM, was mehr ist als das, was an Löhnen und Gehältern gezahlt wurde, und auch mehr als das Stammkapital beträgt. Im Vorjahre waren die Gewinne geringer, sie betrugen einschließlich Vortrag nicht ganz 250 Millionen DM.

Diese Zahlen kann man mit denen aus den Veröffentlichungen anderer deutscher Automobilfabriken nicht vergleichen. Adam Opel bilanziert nämlich nach amerikanischem Usus. (Steuerbilanz und Handelsbilanz sind also identisch.)

Der Aufsichtsrat der Firma Adam Opel hat beschlossen, aus dem Gewinn des Jahres 1959 200 Mill. DM (oder 83 vH) auszuschütten. Die Hälfte hiervon, d. h. 100 Mil. DM, dient einer Erhöhung des Aktienkapitals von 240 auf 340 Mill. DM. Die andere Hälfte wird an den Aktionär (General Motors) abgeführt.

So hoch die 1959 erwirtschafteten Gewinne auch waren (der Opel-Record wirft, nachdem die Anlaufkosten der Serie verdient sind, besonders gute Erträge ab), reichen sie naturgemäß dennoch nicht aus, um die großen Investitionsvorhaben in Rüsselsheim zu Ende zu führen und gleichzeitig noch eine neue Automobilfabrik in Bochum zu bauen. Die Firma Adam Opel hat deshalb ein Schuldscheindarlehen von 150 Mill. DM aufgenommen. Sollte man noch mehr Fremdmittel brauchen, wird man sie auch erhalten. Im übrigen wird weiterhin die Selbstfinanzierungskraft beträchtlich sein. Sobald das Rüsselsheimer Programm beendet ist, wird man dort wahrscheinlich mehr abschreiben können, als für Neuinvestitionen gebraucht werden. W. R.