gru/Köln

Mein Onkel Josef feiert in wenigen Tagen seinen fünfzigsten Geburtstag. Da er liebe Gäste erwartet, will er die Polizei bitten, für diesen wichtigen Tag Parkverbotsschilder vor seinem Haus in der Herwarthstraße in Köln aufzustellen. Sie sollen den Vermerk tragen: "... ausgenommen die Gäste von Onkel Josef."

Onkel Josef ist auf diese Idee gekommen, als er Schilder sah, die besagten: "...ausgenommen Kfz der Sowieso-Botschaft." – "...ausgenommen Pkw der Bundesbahn." – "...ausgenommen Wagen von Kaufhaus Müller."

Eine weitere Anregung zu dieser Idee bekam Onkel Josef vom Nachbarn vis-à-vis. Dort – in der Kölner Herwarthstraße – sitzt der "Arbeitgeberverband der Metallindustrie im Regierungsbezirk Köln e. V.". Er hielt vor kurzem eine Mitgliederversammlung ab. An diesem Tage erschienen schon morgens um acht Uhr fünf Polizisten. Sie verboten den Mitarbeitern, Angestellten und Besuchern der umliegenden Bürohäuser jegliches Parken und Halten auf den öffentlichen Parkplätzen am Straßenrand links und rechts der nahegelegenen Christuskirche und auf der gesamten Herwarthstraße. Mit dieser Arbeit waren sie einen Vormittag lang beschäftigt. Zu ihrer Unterstützung wurde noch eine Lastwagenfuhre mit Halteverbotsschildern angefahren. Funkstreifenwagen kontrollierten den Ablauf der Aktion.

Das währte bis nachmittags 15 Uhr. Da erschienen die Versammlungsteilnehmer. Ihre Chauffeure fuhren die Wagen auf die Parkplätze, die sieben Stunden für sie freigehalten worden waren. Verwundert meinte einer, der sich um seinen täglichen Parkplatz betrogen sah: "Nach all diesem Aufwand der Polizei hätte ich gedacht, daß mindestens das halbe Bundeskabinett aus Bonn an der wichtigen Versammlung teilnehmen würde. Aber ich sah nicht einmal einen Staatssekretär. Es waren alles nur schlichte Arbeitgeber der Metallindustrie."

Nun will Onkel Josef sein Glück versuchen...