As eine "ordentliche, außerordentliche" Hauptversammlung der Feldmühle Papier- und Zellstoffwerke AG, Düsseldorf, bezeichnete der Vorstandsvorsitzer des Unternehmens, Dr. Herbert Rohrer, die diesjährige Veranstaltung. Eine ordentliche kraft Gesetzes und eine außerordentliche kraft der Verhältnisse" nannte Dr. Rohrer diese Aktionärsversammlung, die deswegen wiederum einberufen werden mußte, weil der Umwandlungsbeschluß der außerordentlichen Hauptversammlung vom Dezember vorigen Jahres bisher nicht rechtswirksam geworden ist. Nachdem der Düsseldorfer Registerrichter, dem die Umwandlung der Feldmühle auf die Flicksche AG für Papier- und Zellstoffinteressen nach der Aufhebung einer gegen die Eintragung gerichteten Einstweiligen Verfügung noch gerade fristgemäß angemeldet werden konnte, die Eintragung ausgesetzt hat, um erst die Verfassungsmäßigkeit des Umwandlungsgesetzes in Karlsruhe überprüfen zu lassen, bleibt der alte Status der Feldmühle bestehen. Wie der Vorstand in der Hauptversammlung mitteilte, ruht auch die Anfechtungsklage von Krages, weil erst die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abgewar-

Der zweite stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Eduard von Schwartzkoppen, der wegen "dringender und unaufschiebbarer Reisen" der beiden Hauptakteure Dr. Friedrich Flick und Hugo Stinnes die ebenso friedliche wie kurze Hauptversammlung leitete, erklärte auf die Frage eines Aktionärs, er könne "über die Prozeßaussichten bei einer so zweifelhaften Rechtsfrage" nichts sagen. Um nicht in ein schwebendes Verfahren einzugreifen, wolle sich die Verwaltung im gegenwärtigen Zeitpunkt dazu nicht weiter Dr. von Schwartzkoppen sprach lediglich nie Hoffnung aus, daß eine Entscheidung in Karlsruhe möglichst bald ergehen möge, denn der durch die Anrufung der Gerichte geschaffene Schwebezustand sei für die Feldmühle unerträglich.

Auch der Vertreter des Opponenten Krages, der seinen großen Auftritt in dem Umwandlungsdrama der Feldmühle schon gehabt hat, schloß sich dieser Haltung der Verwaltung an und erklärte ebenfalls, von einer Stellungnahme zu diesen Fragen absehen zu wollen.

Schon nach knapp einstündiger Dauer war die Tagesordnung der Hauptversammlung in friedlicher Atmosphäre abgewickelt, Eine Wiederholung der turbulenten Szenen der Dezember-Hauptversammlung, in der so viele Aktionäre für die Rechte der "enteigneten Minderheit" auf die Barrikaden gestiegen sind, gab es diesmal nicht. Das Parkett war mäuschenstill und, so schien es, auch zufrieden. Die seltsame Kursbewegung der Feldmühle-Aktie stand überhaupt nicht zur Debatte; und die Hauptbeteiligten hatten sich alle Mühe gegeben, mit etwa dem gleichen Besitz in der Präsenzliste zu erscheinen wie im Dezember.

Ingrid Neumann