Ein sommerlich unbeschwerter Seller-Teller? Keineswegs. In die Phalanx jener vier Bücher, die – hin- und hergewürfelt, aber beharrlich – in den letzten Monaten (um es geblümt zu sagen) das Banner des Beststellertums hochgehalten haben, ist unvermutet ein Titel eingedrungen, der genau das Gegenteil zu der vielberedeten leichten Ferienkost ist: Teilhard de Chardins Untersuchung über den Menschen im Kosmos. Das Buch gibt es bereits seit Ende September 1959, und es verkaufte sich immer ganz gut – aber wie alle Bücher seiner Art war es von Bestseller-Ruhm weit entfernt. Warum der plötzliche Aufschwung? Keiner vermag ihn hinlänglich zu begründen, an zu vielem Unwägbaren hängt das Schicksal eines Buches. Am plausibelsten erklärt ihn noch die Tatsache, daß Gösta von Uexküll dem Werk Ende Juni in der "Welt" eine Eloge widmete. Sie und dazu das latente Interesse am Thema ...

Wir wissen zwar, und die Verleger bestätigen es uns immer wieder, welchen großen Einfluß die Literaturteile einiger weniger überregionaler Zeitungen ausüben (man kann sie an den Fingern einer Hand herzählen). Daß er so entscheidend sein kann wie in diesem Fall, verstehen wir weniger als Kompliment denn als Appell an unser’Verantwortungsbewußtsein.

Nicht, daß dieser Seller-Teller notwendig die absoluten Auflagenhöhen spiegelte. Er wird bekanntlich aus den Mitteilungen von einem guten Dutzend über das ganze Bundesgebiet verstreuter Buchhandlungen zusammengestellt; je öfter ein Titel genannt wird, um so höher ist sein Platz auf dem Seller-Teller. So daß er eigentlich eher die gleichmäßige Verteilung eines Bucherfolges über das ganze Bundesgebiet ausdrückt. Von den Burckhardt-Memoiren zum Beispiel, die jetzt zum viertenmal auf dem Seller-Teller erschienen (zweimal standen sie an der Spitze), wurde gerade vor kurzem die zweite Auflage, das 10. bis 20. Tausend, ausgeliefert; von Durrells Roman "Mountolive", der nur einmal an erster Stelle stand, ist das zwölfte Tausend fast verkauft; und in der absoluten Messung gebührte eigentlich Habes "Ilona" (zwei Auflagen: 9000 plus 5000) ein Platz vor Teilhard de Chardin (zwei Auflagen: 4400 plus 5500); nur wurde der eben in allen Buchhandlungen deutscher Großstädte gleich gut verkauft.

Und ein wenig, wie sollte es anders sein, spiegelt dieser Seller-Teller auch immer die Begeisterung, mit der das Sortiment sich für ein Buch eingesetzt hat... D.E.Z.