Japanische Jugend: Die neun besten japanischen Studenten einer Hochschule in Tokio, die Deutsch studieren, haben in diesen Tagen Berlin besucht und befinden sich auf Einladung von Bundeskanzler Adenauer auf einer sechswöchigen Besuchsreise durch die Bundesrepublik, in der an 6. August der Opfer von Hiroshima und ihrer Hinterbliebenen gedacht wurde, am 15. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf die japanische Stadt. In vielen deutschen Städten ist zur Zeit der vielgerühmte und umstrittene Film des erst 35jährigen französischen Regisseurs "Hiroshima, mon amour" zu sehen (ZEIT Nr. 7), des gleichen Regisseurs, der den Dokumentarfilm über die KZ’s "Nacht und Nebel" drehte. Über die Absicht des Hiroshima-Films schreibt die französische Drehbuchverfasserin und Romanschriftstellerin Marguerite Duras: "Als wir den Film erdachten, haben wir weder patriotische noch antipatriotische Gedanken verfolgt. Wir wollten ganz einfach einen Film machen, in dem verschiedenes ausgedrückt sein sollte, was über die Liebe in unserer Zeit noch nicht auf der Leinwand gesagt worden ist. Wir wollten die schlimmsten, die verabscheuungswürdigsten, die gemeinsten Bedingungen nachzeichnen, denen die Liebe unterworfen sein kann. Die Menschen, die die Atombombe über Hiroshima explodieren ließen, und die Menschen von Hiroshima selbst – ebenso jene, die die Apothekerstochter von Nevers an der Loire kahl geschoren haben, und das Mädchen selbst, das im Krieg einen Feind, einen Deutschen, liebt und nach dem Krieg einen Japaner: sie alle sind durch den Krieg ihrer Freiheit beraubt worden. Sie alle, die Bombenwerfer und ihre Hintermänner, die Toten von Hiroshima, die Kahlgeschorenen und ihre Verfolger – sie alle sind Opfer der völkervergiftenden Heuchelei, die der Krieg heraufführt. Ein Mädchen kahl zu scheren, weil es einen angeblichen Feind des Vaterlandes geliebt hat, obwohl die Liebe seit Jahrhunderten als das einzige Gefühl anerkannt ist, für das es keine Grenzen gibt, ist ein schrecklicher Ausdruck abgrundtiefer Verblendung. Aber welch gemeinsames Maß besteht zwischen der Heuchelei, ein Mädchen verfolgt zu haben, das einen Feind geliebt hat, und der Heuchelei, den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zugelassen zu haben? Darauf wollen wir hier eine Antwort zu geben versuchen." Die Antwort, wie sollte es anders sein, konnte von diesen jungen Künstlern nur vage, nicht erschöpfend gegeben werden. Aufn.: dpa, AP