Das Kongo-Vermögen von Unilever

In Ihren Berichten haben Sie in letzter Zeit auf den Kurssturz der Unilever-Aktien hingewiesen, der mit den Unruhen im Kongo im Zusammenhang gebracht wird. Der Kurs hat in den vergangenen Wochen mehr als 10 vH seines Wertes (vom höchsten Stand aus gerechnet) verloren. Entspricht dieser Satz auch dem im Kongo gelegenen Vermögensanteil der Unilever?

L. M., Hamburg

Antwort: Die Kongo-Interessen der Unilever N. V., Rotterdam, und der Unilever Limited, London, bestehen aus Handelsbetrieben für importierte Artikel und für Exportprodukte aus Plantagen, zwei Viehzuchtbetrieben, einer Seifenfabrik sowie einer Öl-und Margarinefabrik. Das darin investierte Kapital beträgt etwa 4 vH des Gesamtvermögens beider Muttergesellschaften, jedoch machen die Gewinne der kongolesischen Unternehmen einen geringeren Prozentsatz ihrer Gesamtgewinne aus.

Bei Beginn der Unruhen standen im Kongo etwa 550 Europäer verschiedener Staatsangehörigkeit im Dienst von Unilever. Ihre Frauen und Kinder haben bis auf Ausnahmen den Kongo verlassen. Aus einigen Orten haben sich die europäischen Belegschaftsmitglieder auf Geheiß der örtlichen Behörden zurückziehen müssen.

Soweit bekannt ist, haben die Unilever-Unternehmen im Kongo einigen materiellen Schaden erlitten, vorwiegend durch die Plünderung von Lagern. Einige Niederlassungen, die anfangs geschlossen werden mußten, sind wieder eröffnet worden. Wie sich herausgestellt hat, haben eine Anzahl Kunden, die üblicherweise auf Kredit beliefert wurden, ernsthafte Verluste erlitten. Mit einer Ausnahme wird die Arbeit in allen Plantagen soweit wie möglich normal fortgeführt. Wahrscheinlich werden alle Unilever-Unternehmen mit Lieferschwierigkeiten, und die beiden jetzt normal arbeitenden Fabriken mit Rohwarenmangel zu kämpfen haben. Unilever hat alle Hoffnung, mit der Durchführung ihres Entwicklungsprogramms fortfahren zu können, wenn die Unruhen vorüber sind.