H. W., Husum

Die Hallig Gröde vor den nordfriesischen Inseln hat eine Attraktion: die kleinste Schule der Bundesrepublik. Rund 280 Hektar groß ist die Insel, 15 Menschen wohnen dort, aber es gibt eine richtige Schule mit einer richtigen Lehrerin.

Die Schülerzahl schwankt stark – manchmal um ein paar hundert Prozent, Es ist noch nicht lange her, da war es nur eine einzige Schülerin, die dort unterrichtet wurde, Olga Nommensen. Jeder Besucher, der auf die Hallig kam, wollte die Schule besichtigen. Der Lehrerin war das gar nicht recht, denn einmal störte es den Unterricht, und außerdem fühlte sich die kleine Olga bei solchen Anlässen als Star.

Als Olga die Schule verließ, weil ihre Eltern auf das Festland zogen, atmete man im Kreisschulamt in Husum auf. Denn die Schule war – finanziell gesehen – ein erheblicher Minuspunkt in der Rechnung des Kreisschulamtes. Doch die Freude war verfrüht. Die Halligschule blieb erhalten, Ihre Schülerzahl stieg sogar um 200 Prozent. Jetzt werden dort drei Schüler von einer jungen Lehrerin aus dem Landkreis Flensburg unterrichtet.

Sie sind alle drei keine Halligkinder. Einer stammt aus Langenhorn im Kreis Husum. Er ist als Hütejunge auf der Hallig. Wenn die Saison zu Ende ist, geht er wieder nach Hause. Die beiden anderen haben einen besonders weiten Weg gemacht, um die Halligschule zu besuchen. Sie kommen aus dem Allgäu. Ihr Vater, ein großer Verehrer der Halligwelt, hat auf der kleinen abgeschiedenen Insel ein Haus für seine Familie gepachtet.

Wie es nun weitergehen soll, weiß man weder auf Gröde noch in Husum. Die junge Lehrerin muß Ostern 1961 die Hallig verlassen, um ihre zweite Prüfung zu machen. Die Kinder werden – vielleicht – bleiben. Und damit bleibt – vielleicht – auch die Schule.