Von Azio de Franciseis

Rom, Anfang August

Rascher als erwartet, hat die nach dreijährigem Zwischenspiel wiederhergestellte Solidarität der vier "klassischen" demokratischen Parteien der Mitte, die dem Kabinett Fanfani eine solide parlamentarische Grundlage gibt, politische Früchte getragen. Bei der Vertrauensabstimmung vom 3. und 5. August in beiden Häusern des Parlaments haben sich die Monarchisten und Nennisozialis:en der Stimmen enthalten und damit das Übergewicht der Regierungsmehrheit in einem seit 1948 nicht mehr erreichten Maß verstärkt. Die Neofaschisten und die Kommunisten blieben in der Opposition isoliert.

Die volle Unterstützung der demokratischen Mitte gibt der neuen Regierung auf jeden Fall eine große Chance. Daß der Start so reibungslos verläuft, liegt aber nicht zuletzt am Regierungschef. Es scheint, daß Fanfani durch die herben Erfahrungen der letzten Jahre gereift ist. Noch immer steckt der kleine Mann auf dem vergoldeten Sessel des Ministerpräsidenten voll sozialpolitischer Dynamik; aber er ist nicht mehr so überheblich und ehrgeizig wie früher. Noch vor zwei Jahren wirkte er wie ein Sozialfanatiker. Er gab sich wie ein katholischer Robespierre, der sein Programm – das einzig richtige natürlich – um jeden Preis verwirklichen will.

Heute ist seine Regierungserklärung von realistischem Geist durchdrungen. Allem Anschein nach ist aus dem Propheten ein nüchterner Realpolitiker geworden, der auf seine Verbündeten Rücksicht nimmt.

Die energische Abwehr von kommunistischen oder neofaschistischen Anschlägen auf den demokratischen Staat ist durch Innenminister Scelba gesichert. Segni als Außenminister macht jede Extratour Italiens, die das Gefüge der westlichen Allianz schwächen könnte, von vornherein unmöglich.

Wie lange aber wird die neu errungene und von der Bevölkerung begrüßte politische Stabilität dauern? Das hängt einmal davon ab, wie lange Fanfani sein ungeduldiges Temperament zügeln und seine Neigung bezwingen kann, zu viel auf einmal zu wollen. Ein zweiter Unsicherheitsfaktor ist die Sprunghaftigkeit des sozialdemokratischen Führers Saragat und maßgebender Republikaner. Sollten Sozialdemokraten und Republikaner bei den allgemeinen Kommunal- und Provinzwahlen, die wahrscheinlich noch im Spätherbst abgehalten werden, Stimmen an die radikalen Linken verlieren – und dies erscheint nicht ganz ausgeschlossen, da auch bei der Regierung Fanfani sich die greifbaren Erfolge nicht über Nacht einstellen werden –, dann steht der Solidarität der Parteien der Mitte eine schwere Bewährungsprobe bevor.

Der entscheidende Faktor aber ist die Person Fanfanis, den zu schildern wir nun Indro Montanelli, gleich Fanfani ein echter Toscaner, das Wort geben.