Hauenstein zwischen Rhein und Felsen hat nur 40 Häuser, aber internationale Leckerbissen

Hauenstein, im August

Hauenstein am Hochrhein ist tatsächlich die kleinste Stadt Europas. Sie hat 180 Einwohner, keine Schule, kein Kino, keine Zeitung. Die vierzig Häuser der Stadt hängen dicht über dem Rhein, einige jenseits der Bundesstraße 34 oben am Fels.

Jenseits des Rheins stehen die sanften Konturen des Schweizer Jura gegen den Sommerhimmel, und über Hauenstein steht dunkelgrün die Silhouette des Hotzenwaldes. Die D-Züge fahren hier natürlich durch, aber es halten immerhin achtzehn Personenzüge täglich auf der Bahnstation "Albert-Hauenstein".

Dies soll eine Stadt sein? Ja, es ist urkundlich belegt. Hauenstein erhielt 1317 von den Herzögen Leopold und Heinrich von Österreich das Markt- und Stadtrecht, das Kaiserin Maria Theresia nachdrücklich erneuerte. Der Stadtbrief mit dem handtellergroßen Siegel der Kaiserin wird im Rathaus Hauensteins aufbewahrt.

Das Rathaus, gewiß auch das kleinste Europas, besteht aus zwei bescheidenen, weißgetünchten Zimmern. Hier führt der 67jährige Bürgermeister seine Amtsgeschäfte. Daneben hat er noch drei andere Berufe: Gastwirt, Landwirt und Posthalter. Die Bürde der Historie – Bürgermeister einer Stadt zu sein, die ein Dorf ist – trägt er mit gelassener Würde und kluger Bescheidenheit, die kein Kapital aus der Tatsache schlagen will, daß dies die kleinste Stadt Europas ist.

Und doch kommen viele Fremde, um das kuriose malerische Stadtgebilde am Hochrhein zu bestaunen. Es sind meist nur Durchreisende, denn die zwei Gasthöfe der Stadt sind für einen längeren Aufenthalt vieler Gäste nicht zugeschnitten. Wohl aber ist ihre Küche wahrhaft "städtisch". Der Bürgermeister-Wirt genießt das Erstaunen des Gastes. Die ledergebundene, buntgemalte Speisekarte – nein, es ist ein "Buch der Speisen" – weist internationale Leckerbissen auf. Eines wiederum, das sei wahrheitsgetreu vermerkt, ist dabei nicht städtisch: die Preise. Diese Tatsache hat sich bis Basel herumgesprochen. Man ißt und trinkt gut und gern in Hauenstein.