Die Stammaktionäre der Lenz-Bau AG, Hamburg, sind in der bedauernswerten Lage, nach dem Kriege noch keinen Pfennig Dividende gesehen zu haben. Für das Stammkapital von 0,325 Mill. DM sind also noch keine Gewinne angefallen. Die Vorzugsaktionäre waren besser gestellt; sie kamen in den Genuß der 5,3 prozentigen Dividendengarantie. Der Grund für die unglückliche Entwicklung liegt nach Ansicht des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Otto Ullrich (Vorstandsmitglied der AG für Verkehrswesen) in den großen Ostverlusten nach dem Kriege und in dem Zusammenbruch, den Lenz-Bau 1953 erlitten hat. Er führte damals zu einem radikalen Wechsel in Vorstand und Aufsichtsrat. Damals stand sogar eine Liquidation der Gesellschaft zur Diskussion. Der Kurs der Aktien fiel auf 20 vH zurück. Von diesem Schlag hat sich die Lenz-Bau AG nur langsam erholt.

Im Zuge des Bau-Booms ist inzwischen bei dem Unternehmen eine Wendung zum Besseren eingetreten. Die Bilanz per 31. Dezember 1959 zeigt einige hoffnungsvolle Ansätze; weniger dagegen die Gewinn- und Verlustrechnung, deren Ergebnis die Stammaktionäre wieder ohne Dividende läßt. Die Debatte auf der Hauptversammlung ging aber weniger um diese Dividendenlosigkeit. Vielmehr wollten die Aktionäre wissen, wie sich die Ertragslage tatsächlich gestaltet hat. Ihnen war nämlich nicht verborgen geblieben, daß die Gesellschaft zu einer anderen Bilanzierungsweise gegriffen hat, so daß ein Vergleich mit den Vorjahren nicht mehr ohne weiteres möglich ist. Diese steuerlich zulässige Maßnahme hat das Ergebnis für 1959 entscheidend beeinflußt. Praktisch werden die in 1959 erzielten Gewinne erst im Geschäftsjahr 1960 voll sichtbar werden. Auf diese Weise spart man zunächst einmal Steuern, was für den Abbau der Bankverbindlichkeiten recht nützlich ist. Mit dieser Methode kann man sich vielleicht auch noch in diesem Jahr weiterhelfen. Aber danach zieht sie nicht mehr. Dann müssen die Gewinne vielmehr in voller Höhe sichtbar werden.

Über diesen Punkt weigerte sich die Verwaltung, auf der Hauptversammlung in aller Offenheit zu diskutieren. Das war bedauerlich, denn die Mehrzahl der Aktionäre hätte für diese Geschäftspolitik sicherlich Verständnis gehabt. Nach den bösen Erfahrungen der Vergangenheit kam es ihnen darauf an zu erfahren, daß zur Zeit tatsächlich mit nennenswerten Gewinnen gearbeitet wird. Umsatz- und Auftragszahlen, mögen sie für das erste Halbjahr 1960 recht beeindruckend sein, sagen wenig aus. Schließlich ist es im Bau-Boom nicht gerade eine große Kunst, Aufträge zu bekommen. Entscheidender ist, bei der harten Konkurrenz auch auskömmlich zu verdienen. K. W.