Von René Drommert

Ein Mann des Namens Curt Schweicher hat etwas getan, was hierzulande nicht gerade gewöhnlich ist: Er hat sein Visier geöffnet. Er hat zu erkennen gegeben, daß er in Dingen der sogenannten "modernen" Kunst anders denkt als die anderen –

Curt Schweicher: "Die Kunst ist tot, es lebe die Kunst", Nachwort von Martin Gosebruch; Scherpe Verlag, Krefeld; 88 S., 6,50 DM.

Schweicher sagt, daß ihm weite Gebiete dessen nicht gefallen, was allenthalben gelobt wird: Tachismus, art informel, monochrome Malerei und so weiter. Gehört wirklich Mut dazu? Es können doch so leicht Gegenargumente angeführt werden: Wo steht eigentlich in unserem Grundgesetz, wo steht in unseren Gesetzbüchern irgendein Paragraph, der es verbietet oder auch nur einschränkt, irgendeine Auffassung von irgendeiner künstlerischen Form, Gattung oder Schule zu haben?

Und es wird doch keine Kunst mehr öffentlich und lauthals verfemt. Hätte sich jemand 1938 auf einen belebten Platz einer deutschen Großstadt gestellt und zum Beispiel ausgerufen: "Picasso ist der größte Maler aller Zeiten", so hätte er Kopf und Kragen riskiert. Leistete sich heute jemand denselben Ausruf, so passierte natürlich gar nichts, es sei denn, daß zufällig ein Parteigänger der "Moderne" des Weges daherkäme und sagte: "Na, mein lieber Freund, du bist von vorgestern. Wir sind doch längst bei Vedova, Schulze und Fontana angelangt. Und wir ruhen dort nicht aus." Möglich und erlaubt ist alles.

Schweidler ist kein Banause. Er liebt die Kunst, insbesondere jene Spanne von Paul Cezarine bis Paul Klee, und er hat die Galerie im Leverkusener Schloß Morsbroich aufgebaut und längere Zeit geleitet. Er hat nach dem Kriege auch mit Ausstellungen zur Ehrenrettung jener Kunst beigetragen, die im Dritten Reich verboten war.

Aber er wird angegriffen. So hat die im Baden-Badener Agis-Verlag erscheinende Kunstillustrierte Vernissage Schweichers Buch in 39 (geschickt formulierten) Thesen angegriffen.