J. K. Paris, im August

Die Zwischenbilanz, die Frankreichs Finanzminister Wilfried Baumgartner über die Entwicklung der Wirtschaft und der Finanzen seit Anfang dieses Jahres gezogen hat, ist weder besonders positiv noch besonders negativ. Frankreich marschiert "langsam, aber sicher" weiter auf dem Weg zur endgültigen Konsolidierung.

Die Industrieproduktion stagniert zwar seit dem Rekordmonat Dezember 1959 – wenn man den amtlichen Statistiken Glauben schenken darf –, sie entwickelt sich hingegen ganz gut, wenn man sich auf die von den großen Gesellschaften veröffentlichten Halbjahresumsätze verläßt. Umsatzerhöhungen von 20 bis 40 vH sind keine Seltenheit und dürften die Entwicklung getreuer spiegeln als die offiziellen Statistiken, selbst wenn man die inzwischen eingetretenen Preiserhöhungen berücksichtigt, die aber nur wenige Prozent betragen.

Die Handelsbilanz bleibt, bei Exporten auf sehr hohem Niveau, weiterhin überschüssig; die Währungsreserven wachsen weiter an und erlauben Frankreich, seine Auslandsschulden teilweise vorzeitig zurückzuzahlen. Annähernd 2 Mrd. Dollar beträgt gegenwärtig der französische Gold- und Devisenschatz. Die Preise sind bisher weniger rasch gestiegen, als viele befürchtet hatten; die Lohnerhöhungen halten sich in vernünftigen Grenzen; der in den Jahren 1958 und 1959 beobachtete Kaufkraftschwund ist fast zum Stillstand gekommen; nicht alle, aber doch zahlreiche Arbeitnehmergruppen haben einen leichten Kaufkraftzuwachs zu verzeichnen. Das soziale Klima ist ruhig; was in dieser Hinsicht der Herbst bringen wird, ist allerdings schwer vorauszusagen.

Die Staatskassen sind voll und werden; gegebenenfalls dem Finanzminister erlauben, die Konjunktur, falls der Sommerschlaf der Wirtschaft sich verlängern sollte, zu beleben. Engpässe bestehen nicht und sind auch vorerst nicht zu befürchten, da das Produktionspotential der Industrie noch bei weitem nicht voll ausgelastet ist; die Produktivität steigt, und somit sind unerträgliche Spannungen auf dem Arbeitsmarkt nicht zu befürchten.

Die derzeitigen Entwicklungstendenzen der französischen Wirtschaft dürfen nach Ansicht des Finanzministers als gesund bezeichnet werden. Vorsicht ist nur insofern geboten, als die französische Wirtschaft zwar auf dem Weg zur Gesundung ist, aber sich noch nicht voller Gesundheit erfreut. Erhebliche Anstrengungen sind noch notwendig, um dieses Ziel zu erreichen.