Ben, Hamburg

Der Herr im schwarzen Anzug sagte; "Es gibt keinen schöneren Platz." Er trat ein paar Schritte zurück und die Dame legte einen Strauß Rosen auf den Hügel. Dann standen sie – die Dame, ihr Begleiter und im Hintergrund der Herr im dunklen Anzug – stumm vor dem Hügel. Nach einer Weile bot der Begleiter der Dame seinen Arm und führte sie zur Pforte. Er sagte zu der Dame: "Das Kreuz mit der Inschrift kostet über dreihundert Mark und für die Pflege des Grabes werden jährlich fünfzig Mark berechnet." Hinter den beiden ging der Herr im dunklen Anzug, und an der Pforte sagte er noch einmal: "Er hat den schönsten Platz. – Wir öffnen morgens um neun und schließen abends um sechs. An Feiertagen machen wir aber erst um zwölf Uhr auf."

Die Dame versicherte: "Wir kommen jeden Mittwoch."

Der Herr in dem schwarzen Anzug wandte sich an mich. "Sie suchen einen Platz", sagte er, "der schönste ist allerdings schon vergeben, aber Sie können ihn gern ansehen. Sie können sich während der Besichtigung auch setzen. Ich habe zwölf neue Bänke aufstellen lassen; und in meinem Büro befindet sich ein Zigarettenautomat, Kaffee kocht meine Frau. In unserem Aufenthaltsraum sitzen oft Angehörige und trinken Kaffee."

Der Herr hatte kurze Fingernägel und roch nach Lavendel. Er hatte vorstehende Backenknochen und einen Schnurrbart, der nicht ganz so weiß war wie seine Haare.

Auch Alex hatte einen weißen Schnurrbart gehabt und ganz weiße Haare. Und ich wußte nicht, wo ich ihn hinbringen sollte. Er war auch nicht überfahren worden und war noch nie krank gewesen. Tagsüber schlief er und nachts ging er weg. Er stellte keinen Vögeln nach und aß abends seinen Fisch und roch überhaupt nicht. Im Wald kletterte er auf die Bäume. Manchmal mußte ich ihn zu Hause einschließen. Und hinter der verschlossenen Tür hatte er zwei Tage lang gelegen. Mit fünfzehn war er gestorben – im Schlaf. Er war ein guter Kater gewesen; aber es gab wohl keinen, der so viel schlief.

Der Herr sagte: "Wenn ein Hund von uns geht, erscheint er uns nachträglich zuweilen wie ein Mensch. Eine Frau, die ihre Dogge hier bestatten ließ, kommt zweimal die Woche, weil mein Gärtner den gleichen treuen Blick hat wie die Dogge.