Die Einlagenentwicklung der Deutschen Girozentrale – Deutsche Kommunalbank – als Zentralbank der regionalen Girozentralen entsprach auch 1959 im wesentlichen der Lage am Geldmarkt. Das Einlagenwachstum verlangsamte sich zunächst, kam schließlich zum Stillstand und wurde im vierten Quartal von einem Einlagenabzug größeren Umfanges abgelöst. Im Rahmen dieser allgemeinen Entwicklung waren darüber hinaus die üblichen terminbedingten Schwankungen zu verzeichnen. Das Abfallen des Einlagebestandes zum Jahresultimo ist durch den Charakter der Einlagen der Bank bedingt und läßt darauf schließen, daß es sich hierbei um Rückwirkungen der Liquiditätspolitik der Bundesbank handelt.

In der Fristigkeit der Einlagen ist im vierten Quartal 1959 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eine weitgehende Verschiebung eingetreten. Im Zuge der im Herbst 1959 einsetzenden Restriktionsmaßnahmen der Deutschen Bundesbank, und der damit verbundenen Ungewißheit über die weitere Geldmarktentwicklung, hielten sich die regionalen Girozentralen bei der längerfristigen Anlage von liquiden Mitteln zurück und bevorzugten kürzere Laufzeiten.

Die Anlagepolitik der Bank im kurzfristigen Geschäft wurde durch den starken Rückgang der Einlagen im vierten Quartal 1959 zunächst rein quantitativ beeinflußt. Der Bestand an Schatzwechseln und unverzinslichen Schatzanweisungen nahm von Ende Oktober 1959 auf Ende November 1959 um rd. 650 Mill. DM, und von Ende November 1959 auf Ende Dezember 1959 um rd. 700 Mill. DM ab. Damit wurde der Einlagenabfluß für den Zeitraum von Ende Oktober bis Ende Dezember 1959 liquiditätsmäßig abgefangen. Dagegen entstanden der Bank durch Rückgabe von Offenmarktpapieren an die Bundesbank rentabilitätsmäßig Einbußen, da sich mit den steigenden Abgabesätzen für Geldmarktpapiere auch die Rücknahmesätze erhöhten. Wenn sich diese Rückgaben dennoch in engen Grenzen hielten, so ist dies im wesentlichen auf den Umstand zurückzuführen, daß sich die Bank frühzeitig auf einen "Umschwung in der Kreditpolitik" der Bundesbank einstellte und entsprechend kurzfristiger disponierte.

Das langfristige Geschäft der Bank stand unter dem Einfluß der wechselnden Lage am Kapitalmarkt. Im ersten Halbjahr war der Kapitalmarkt sehr ergiebig bei der Aufnahme von neuen Emissionen. Mit Beginn des zweiten Halbjahres verschlechterten sich die Absatzbedingungen am Kapitalmarkt zusehends. Es begann eine Rückentwicklung der außerordentlichen Zinsermäßigung am Kapitalmarkt, die für das Jahr 1958 kennzeichnend war. Der Verkauf der Schatzanweisungen verlangsamte sich um die Jahresmitte und wurde schließlich infolge der veränderten Geldmarktlage in der zweiten Hälfte des Jahres 1959 zunächst eingestellt.

Im Rahmen des Darlehensgeschäfts wurde der Erlös aus der Begebung der eigenen Emissionen wie bisher den der Bank nahestehenden öffentlichrechtlichen Kreditinstituten sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts zur Verfügung gestellt.

Die von der Bank getroffene Liquiditätsvorsorge hat es ermöglicht, die sehr erheblichen Einlageabzüge im letzten Vierteljahr des Berichtszeitraumes reibungslos zu finanzieren. Die starke Minderung des Einlagenbestandes und der entsprechenden Anlagen mußten allerdings einen gewissen Rückgang des Liquiditätsgrades gegenüber dem Vorjahr zur Folge haben. Es standen am Jahresende 1959 den kurzfristigen Verbindlichkeiten liquide Anlagen in Höhe von 81,9 (i. V. 92,3) vH gegenüber. -x