–: "Wie man in Deutschland Chemie studiert", ZEIT Nr. 24–27

Was mir bei der Diskussion über die Frage: Wie studiert man Chemie – und andere Wissenschaften – im heutigen Deutschland, auffällt, ist, daß die Parteien so heillos aneinander vorbeireden. Immer wieder taucht das Argument auf, die deutsche Chemie – und die anderen "deutschen" Wissenschaften – hätten doch "Weltgeltung", und deswegen könne es gar nicht so schlimm sein. Daß sie Weltgeltung haben, bestreitet doch niemand, aber gehört denn das zum Thema? Soll denn die Bundesrepublik wirklich ein "Land des Lächelns" sein, mit dem Motto – "Immer nur mächtig, immer vergnügt, wie es drinnen aussieht, geht keinen was an"?

Gewiß, das Thema ist vor. einem Redakteur gestellt, von einem Dozenten behandelt und von mindestens einem Leser, nämlich mir, mit Beifall gelesen worden – Leute, die alle zur sogenannten "skeptischen Generation" gehören. Diese neigen (nach Schelsky) zum "Konkretismus", sie beschäftigen sich am liebsten mit Dingen, die im unmittelbaren Lebensumkreis liegen, also mit der eigenen Familie und dem Berufsplatz. Solch eine Lebenshaltung hat sicherlich ihre Gefahren, aber im vorliegenden Fall scheint sie doch ganz nützlich zu sein.

Ein bißchen traurig stimmt mich, daß sich die ZEIT so wehren muß: Sie läßt den Beitrag anonym erscheinen und setzt sich damit starker Kritik aus. Du lieber Himmel, was ist nicht alles im letzten Jahrtausend anonym erschienen, und wir Nachfahren sind froh, daß es überhaupt erschien, und wir scheren uns den Deubel darum, ob der Verfasser Hinz oder Kunz oder Goethe hieß. Wer will denn die ZEIT an der Notwehrmaßnahme hindern, das nächste Mal einfach einen erdichteten Namen hinzuschreiben? Und wer hindert den Gesprächspartner daran, ebenfalls anonym zu bleiben? Dem Leser kommt es doch hauptsächlich darauf an, daß ein solches Gespräch stattfindet und nicht, wer die einzelnen Beiträge verfaßt hat. Ich etwa würde die Namen ja sowieso nicht kennen und mein Gedächtnis auch nicht damit belasten.

Ich versuche mir beim Lesen der kritischen Antworten vorzustellen, was wohl passiert wäre, wenn der "Faust" anonym erschienen wäre, der ja bekanntlich in seiner Schülerszene auch ein paar nicht gerade schmeichelhafte Bemerkungen über die Fakultäten enthält. Ob man wohl damals auch als erste Frage gestellt hat: Ja, ist denn der überhaupt zuständig? Und wenn man dann dahintergekommen wäre, daß der Verfasser ein verkrachter Referendar namens Goethe sei, noch dazu mit dem unauslöschlichen Makel einer indiskutablen Examensnote behaftet, ja, was hätte man damals wohl gesagt? K. Eisele, Rechtsanwalt, Nürnberg

Bildbericht: "Denkmal des Hasses: Grunwald", ZEIT Nr. 31

Das deutsche Tannenbergdenkmal, das im Vergleich zum heutigen polnischen "Denkmal des Hasses: Grunwald" auf die Polen auch nicht den Eindruck eines "Denkmals der Liebe" gemacht haben wird, ist nicht "nach dem Zweiten Weltkrieg" von Polen zerstört, sondern noch im Krieg selbst von deutschen Truppen selber gesprengt worden. Dr. Walther Müller-Bergström, Schopfheim (Baden)

– Richtig ist, daß in Eile Teil des Tannenberg-Denkmals beim Rückmarsch von deutschen Truppen gesprengt wurden. Die Sarkophage Hindenburgs und seiner Frau wurden nach Marburg gebracht, wo sie in der Elisabeth-Kirche beigesetzt sind. Die Polen haben später die Steine des riesigen Denkmals abgetragen und sie vornehmlich für den Wiederaufbau Warschaus verwandt. Die steinernen Soldaten, die am Eingang standen, wurden in Rotarmisten umgewandelt; sie sind beim Bau eines sowjetischen Ehrenmals in Allenstein (Olsztyn) verwandt worden. Die Red.