Wie intensiv hier die religiösen Belange der modernen Menschen angesprochen wurden, ergab sich auch in den Referaten des "IX. Internationalen Kongresses katholischer Ärzte". Ein Pathologe (F. Büchner, Freiburg) sprach über das Thema "Arzt und Technik", ein Internist (Korth, Erlangen) über das Thema "Der zeitgemäße Arzt". Ausgangspunkt war die Erkenntnis, daß der moderne Arzt in Gefahr ist, bloßer Techniker zu werden. Der Mensch ist aber kein Mechanismus, dessen Erkrankung wie ein Maschinenschaden zu beheben ist; er darf nicht verlernen, die Krankheit als Aufgabe zu sehen, mit ihr fertig zu werden. Der verbreitete Typ des "zeitgemäßen" Arztes, der kein Verhältnis mehr zur Persönlichkeit des Kranken hat, sondern oft nur noch als Techniker fungiert, ist weit vom Ideal des wirklichen Helfers entfernt. Der Arzt muß vorangehen in dem – notwendigen – Bestreben des Menschen, den Werken der Technik "nachzuwachsen". Auch hier wurde die menschliche Ansprache gefordert, im Gegensatz zur materialistischen "Erledigung".

Nirgends hängt so viel von dieser "Ansprache" ab wie auf dem Gebiet der Mission. Hier vor allem entscheidet sich, ob auch in Zukunft Religionen den Menschen formen werden oder die morgige Welt dem Materialismus der marxistischleninistischen Lehre gehören wird. Den Kampf um diese Entscheidung führen heute etwa 110 000 katholische Missionare aus Europa (30 000 Priester, 10 000 Ordensbrüder und 70 000 Schwestern). Über Wesen und Umfang ihres vielseitigen Wirkens gibt die Ausstellung "Missio" bemerkenswerte Aufschlüsse. Reiches Material, von unermüdlichen Missionshelfern erläutert, illustriert, was auch in allen Referaten der Missionsveranstaltungen als ewiger Kehrreim aufklang: die Fülle harter, aufreibender und entsagungsvoller Arbeit, die da geleistet wird, und die dicke Mauer von Widerständen, die es vielfach zu durchbrechen gilt. Brennpunkt dieses Ringens um die Formung des Menschen von morgen ist heute zweifellos Afrika, dessen Völker gegenwärtig selbständige Staaten aufbauen. Hier ist die bolschewistische Propaganda besonders betriebsam. Starke Gegenkräfte sind auch: die Rassenpolitik in Südafrika, die Existenz einer kommunistisch infizierten Intelligenz im Osten Afrikas, die politischen Wirren im Westen des Schwarzen Kontinents. Um seine Meinung über die Ursachen der Wirren am Kongo befragt, antwortet ein Pater bescheiden: "Wir haben unseren Auftrag wohl noch nicht ernst genug genommen." Es ist herauszuhören, daß er mit dem "wir" nicht so sehr den Klerus und die Missionare meint, sondern die Christen schlechthin, die nicht begreifen, worum es dort geht. So fehlt es immer wieder an Köpfen und Händen.

Der Kongo war bei Ausbruch der Unruhen etwa zur Hälfte christianisiert. Die jetzt entfesselten nationalistischen Instinkte aber bringen schwere Rückschläge. Die Kirche darf dennoch von sich behaupten, klüger gehandelt zu haben als die Kolonialregierung: indem sie die hierarchische Gewalt mehr und mehr in die Hände der Eingeborenen gab. Sichtbares Zeichen dessen ist, daß es heute bereits 37 schwarze Bischöfe gibt und den schwarzen Kardinal Rugambwa, den höchsten kirchlichen Würdenträger Afrikas.

Unter den Widerständen, mit denen die Mission in allen Erdteilen zu kämpfen hat, ist indessen einer besonders schwer hinwegzuräumen, zumal er Ursache ernster Skrupel selbst vieler frommer Christen ist: Man mißtraut einem Glauben, der es zuließ, daß seine Anhänger einander in zwei blutigen Weltkriegen unmenschlich zerfleischten Die unentschiedene Haltung der Kirche und du Uneinigkeit der Moraltheologen bei der Einstel lung des Christen zum Kriege macht es gerad einfachen Menschen schwer, die Heilsbotschaft an zunehmen. Und noch einen weiteren Widerstand gibt es, der den wundesten Punkt der heutigen Christenheit berührt: die Kirchenspaltung, der tragischen Konfessionsdualismus.

In der praktischen Missionsarbeit ist die Frage die auf dem Internationalen wissenschaftlichen Kongreß behandelt wurde, immer gegenwärtig "Der Kult und der heutige Mensch." Die christ lichen Kultgebräuche müssen nach Möglichkei ständig den kultischen Gewohnheiten der missio nierten Völker angepaßt werden. So äußerlich da scheint, so entscheidend kann es doch werden. Da her kam denn auch von einem Auditorium erfah rener Glaubensmänner fast ungeteilter Beifall, als Professor Thomas Ohm aus Münster die frappie rende Formulierung fand: Warum müssen dem die christlichen Neger die Hände falten? Laß

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